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Alternativer   Nobelpreis   2009


 

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte der schwedisch-deutsche Philanthrop Jakob von Uexküll die Idee, einen alternativen Nobelpreis ins Leben zu rufen. Dieser Gedanke kam ihm, als er um die Welt reiste, wo er viel Armut und große Umweltzerstörungen sah. In Stockholm schlug er dem Nobelkomitee vor, auch einen Preis für Umwelt und Entwicklung zu vergeben. Sein Plan wurde abgelehnt. Von Uexküll hielt jedoch an seiner Vision fest. Er verkaufte seine wertvolle Briefmarkensammlung und gründete 1980 von dem Erlös die „Right Livelihood Award“ Stiftung, die jährlich den Alternativen Nobelpreis vergibt. Personen und Initiativen werden geehrt, die bei der Vergabe der Nobelpreise nicht beachtet werden. Drei Auserwählte teilen sich die Summe von rund 150.000 Euro. Ein weiterer Preisträger erhält den nicht dotierten Ehrenpreis. Ermöglicht wird die Unterstützung der Preisträger durch Spenden und Vermächtnisse.

Begründung der diesjährigen Preisverleihung

Die Jury des Right Livelihood Award begründet die Auswahl der Preisträger wie folgt: „Trotz der wissenschaftlichen Warnungen über die drohende Gefahr und zerstörerischen Auswirkungen des Klimawandels und obwohl Lösungen längst bekannt sind, sind die Antworten auf diese globale Krise quälend langsam und unzureichend. Die weltweite atomare Bedrohung nimmt wieder zu. Und dass so viele arme Menschen an behandelbaren Krankheiten leiden, ist eine Schande für die Menschheit. Die Preisträger dieses Jahres zeigen konkret, was getan werden kann und muss, um den Klimawandel zu begrenzen, die Welt von Atomwaffen zu befreien und um lebenswichtige medizinische Behandlung auch für die Armen und Benachteiligten bereitzustellen.“

Die Preisträger

Der Biologe René Ngongo (Demokratische Republik Kongo), geboren 1961, setzt sich besonders für den Erhalt des Regenwaldes in seiner Heimat ein. Er erhält den Preis „für seinen Mut, sich jenen Kräften entgegenzustellen, die die Regenwälder des Kongo zerstören, und für seine Bemühungen, politische Unterstützung für deren Bewahrung und nachhaltige Nutzung zu schaffen.“

Über Ngongo sagte Ole von Uexküll: „Dies ist ein Mann, der unter unglaublicher Gefahr für sein Leben für den zweitwichtigsten Regenwald der Welt kämpft.“ Ngongo habe auch in den schlimmsten Kriegswirren in seinem Land genau dokumentiert, wer für Zerstörungen verantwortlich sei. Die Regenwälder der Republik Kongo und das kongolesische Becken seien nach der Amazonas-Region die zweite „Lunge der Erde“, sagt Ngongo.

Dass sich der zweitgrößte Regenwald der Erde in größter Gefahr befand, war Ngongo bald bewusst geworden. Er gründete 1994 die Nicht-Regierungsorganisation Organisation Concertée des Ecologistes et Amis de la Nature. Rasch wuchs die Organisation, immer mehr Freiwillige halfen bei Aufforstungen, dem Schutz bedrohter Tierarten und bei der Aufklärung der Bevölkerung. Ngongo entwickelte nachhaltige Landwirtschaftsmodelle, die es der Bevölkerung erlaubten, ihren Bedarf an Feuerholz und Lebensmitteln zu decken und gleichzeitig ein besseres Einkommen zu erzielen, ohne den Wald zu zerstören. Ngongo führte seine Tätigkeiten trotz des blutigen Bürgerkriegs im Kongo fort.

Die 85-jährige Gynäkologin Hamlin aus Äthiopien, geboren1924, kümmert sich um die Gesundheit von Frauen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Sie erhält den Preis, „weil sie sich seit fünfzig Jahren der Behandlung von Patientinnen mit Geburtsfisteln widmet.“ Damit habe Hamlin „die Gesundheit, Hoffnung und Würde von Tausenden ärmster afrikanischer Frauen wieder hergestellt“. Geburtsfisteln entstehen bei sehr langen Wehen und führen zu Inkontinenz und damit zu gesellschaftlicher Ausgrenzung. C. Hamlins eröffnete mit ihrem Mann eine eigene Klinik, wo Frauen kostenlos behandelt werden. Noch heute im Alter von 85 Jahren operiert sie einmal die Woche. Sie wurde mit vielen medizinischen und bürgerlichen Ehrenwürden ausgezeichnet.

Der neuseeländische Pädagoge Alyn Ware, geboren 1962, engagiert sich für Friedenserziehung und eine Welt ohne Atomwaffen. Ware wird ausgezeichnet „für seinen Einsatz und seine internationalen Initiativen über zwei Jahrzehnte zur Stärkung der Friedenserziehung und zur Schaffung einer atomwaffenfreien Welt. Wir hoffen, dass sich auf diesem Gebiet mit der Politik von US-Präsident Barack Obama neue Fenster öffnen“, sagte
Ole von Uexküll.

Geboren in Neuseeland, arbeitete Ware 1983 nach seinem Studium als Kindergärtner. Er entwickelte Programme und Unterrichtsformen, die jungen Menschen die Friedensforschung näher bringen und die sich bald im ganzen Land durchsetzten. Weiter engagierte er sich in verschiedenen Organisationen mit dem Ziel, Neuseeland zur Abrüstung zu bewegen und vom bestehenden Atomwaffenprogramm Abstand zu nehmen. 1998 reiste er in die USA und nach Russland, um seine Erfahrungen mit der erfolgreichen Anti-Atomwaffen-Initiative mit Organisationen in anderen Ländern zu teilen.

David Suzuki, geboren 1936, kanadischer Zoologe und TV-Moderator, erhält den nicht dotierten Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises für seine Aufklärungsarbeit über die Gefahren des Klimawandels.

Nie wurde Suziki müde, auf die soziale Verantwortung der Wissenschaft und die Gefahren des Klimawandels hinzuweisen. Suzuki ist Nachkomme japanischer Einwanderer und studierte Zoologie an der University of Chicago. Er lehrte von 1963 bis 2001 an der University of British Columbia. Er sei zum Ergebnis gekommen, dass sämtliche wissenschaftliche Erkenntnisse sowohl positiv als auch negativ eingesetzt werden können. Die einzige Möglichkeit, letzteres zu verhindern, sei eine gut informierte Öffentlichkeit. Suzuki gab das Forschen auf und führte nur die Professur fort, um sich ganz der Aufklärungsarbeit zu widmen. Seit 1979 ist er der Moderator der Sendung The Nature of Things with David Suzuki, eine sehr erfolgreiche Wissenschaftssendung im kanadischen Fernsehen. Seine Themen blieben die globale Erwärmung und erneuerbare Energien. Suzuki erhielt zahlreiche Ehrendoktortitel und Auszeichnungen.