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Das Wiesenschaumkraut

 

Die Blume des Jahres 2006

 

Das Wiesenschaumkraut ist zur „Blume des Jahres 2006“ von der Stiftung Naturschutz Hamburg und der Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen gekürt worden. Das gab Frau Loki Schmidt, Gründerin dieser Stiftung, in Hamburg vor der Presse im Oktober bekannt.

            Das Wiesenschaumkraut mit der lateinischen Bezeichnung Cardámine praténsis  gab es noch einigen Jahrzehnten derart häufig, dass Kinder ganze Sträuße auf Wiesen davon pflücken konnten und der Mutter mit nach Hause nahmen. Diese Pflanze liebt einen feuchten bis nassen Untergrund, insbesondere saftige Wiesen. Sie gehört zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae/Cruciferae), die mit ca. 350 Pflanzengattungen weltweit verbreitet ist. Sie kommt in ganz Europa vor, man findet sie aber auch in Nordasien und Nordamerika.

            Bei uns in Deutschland zählt man etwa 45 Gattungen, so auch das Wiesenschaumkraut, sowie u.a. diverse Kohlsorten. Die Brassiaceaen gehören zu den klar unterscheidbaren Pflanzenfamilien, deren Blütenstände sich jeweils aus vier Kelchblättern, den Sepalen, und vier Kronblättern, den Petalen zusammensetzen. Sepalen und Petalen stehen über Kreuz, füllen also die Lücken aus.

            Die Feuchtwiesenart des Wiesenschaumkrautes, das bis zu 60 cm groß werden kann, besitzt bodennah rosettenartige Grundblätter mit unpaarig gefiederten Teilblättchen im oberen Stengelabschnitt. Die Blätter sind saftstrotzend und völlig unbehaart. Der hohle Stengel der Pflanze ist nahezu rund, die Blütenstände sind entweder blasslila, rosa oder weiß. Die Blüten erscheinen im April und Mai und werden gerne vom Aurora-Falter bevorzugt angeflogen, denn seine Raupen ernähren sich fast ausschließlich vom Saft dieser Pflanze. Bei Regenwetter und mit Anbruch des Abends verschwindet der prächtige Schmuck der Blüten, die Blütenachsen krümmen sich und die Blüten werden geschlossen. Die aus den Blüten sich bildenden Pflanzensamen sind in einer Schote eingeschlossen. Sobald die Samen reif sind, platzt die Schote auf und verstreut die Samen auf den Boden. Das Wiesenschaumkraut kann sich allerdings auch ungeschlechtlich vermehren, kommen die grundständigen Blätter auf Wasser oder feuchtem Boden zu liegen, bilden sich an den Ansatzstellen der Fiederblättchen bald Knospen und Blattsprossen, die aus den Grundrosetten herauswachsen.

            Woher stammt der Name - Wiesenschaumkraut? Man findet am Stängel dieser Pflanze vielfach Schaumklümpchen, in denen sich die Larven der Schaumzirpe verstecken und entwickeln. Sie verhalfen der Pflanze zu ihren Namen.     

            Das Wiesenschaumkraut gedeiht insbesondere auf frischen, feuchten und nährstoffreichen Wiesen und Rasenstandorten, vor allem wenn der Untergrund lehmig ist. Man findet diese Pflanze aber auch in Moorgebieten, wo sie mit den torfigen Untergründen gut zurecht kommt, wenn es hier feucht genug ist. Trocknen allerdings die Böden aus, geht die wasserliebende Pflanze ein. Da in der Landwirtschaft und Landschaftsumgestaltung vermehrt die Tendenz besteht, dass feuchte Wiesen immer mehr durch länderübergreifende Entwässerungsmaßnahmen oder auch Eindeichungen von Auenbereichen trocken gelegt werden, wodurch das Wiesenschaumkraut seine (feuchte) Lebensgrundlage verliert, wurde sie zur Pflanze des Jahres 2006 gekürt, um auf diese besonderen Gefahren aufmerksam zu machen und solche Maßnahmen möglichst einzuschränken oder ganz zu verhindern. Denn nicht nur das Wiesenschaumkraut und die Sumpfdotterblume sind dann in ihrer Existenz ernstlich bedroht und zum Aussterben verurteilt, auch zahlreiche andere Pflanzen und Tiere sind besonders auf Feuchtwiesen und Biotope angewiesen. Aus diesem Grund wurde bekanntlich der Weißstorch bereits zweimal zum Vogel des Jahres ernannt, weil durch die sich ständig ausdehnenden Trockenlegungen immer größerer Areale sein Lebensraum bedrohlich eingeschränkt wurde, so dass es immer weniger Brutpaare in Deutschland wegen Futtermangels gab. Daher appelliert die Stiftung Naturschutz Hamburg in Zusammenarbeit mit der Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen an die Öffentlichkeit, insbesondere aber an die Landwirtschaft, den Lebensraum dieser Feuchtigkeit liebenden Pflanzen und Tiere zu erhalten, zu pflegen und besonders zu schützen. Wenn immer möglich, sollten darüber hinaus alte, bereits trockengelegte Flächen wieder zu Feuchtgebieten umgestaltet und renaturiert werden, um der Natur eine (Überlebens-) Chance zu geben.

 

Weitere Hinweise und Links zu den Stiftungen unter:

WWW.stiftung-naturschutz-hh.de/

                                                                                                 Hans Harress

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die Sibirische Schwertlilie

 
                                Blume des Jahres 2010

Loki Schmidt, Ehefrau des Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt, gab als Gründerin der Stiftung für Naturschutz und als Pflanzenschützerin die Wahl der Blume des Jahres 2010 in Hamburg bekannt, es ist die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica). Frau Schmidt wählt bereits seit 1980 die jeweilige „Blume des Jahres“ als besonders engagierte Naturschützerin aus. Von dieser bildhübschen Pflanze gebe es nur noch wenige Wildstandorte auf unserem Globus, sagte Loki Schmidt, und wörtlich: „Diese schöne grazile Iris habe ich leider noch nie als Wildpflanze gesehen.“ Dennoch ist die attraktive Blume insbesondere Gartenfreunden gut bekannt, da sie seit langem vor allem in privaten Hausgärten, Parkanlagen und in Botanischen Gärten zahlreiche Liebhaber gefunden hat, die sich an ihrem Anblick erfreuen und sie kultivieren. Die Wildform der Sibirischen Schwertlilie, die nährstoffreiche, feuchte Streuwiesen und Niedermoorlandschaften, ferner auch Flutmulden, Teichufer und Gräben bevorzugt, ist nach Recherchen der Stiftung für Naturschutz bereits zentral-europaweit stark gefährdet. Man findet sie vereinzelt noch in europäischen Ländern bis nach Sibirien, doch ist sie sehr selten geworden und inzwischen streng geschützt. Im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern steht sie bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten in der Kategorie 1. Insbesondere durch Trockenlegungen großer Bodenareale und durch ständig neue Flächenversiegelungen geht ihr Bestand auch in Deutschland immer weiter zurück.

Die Sibirische Schwertlilie erfreut den Betrachter durch ihre leuchtend blaue bis blau-violette Blüte, die von Mai bis Juni blüht. Am bis zu einem Meter hohen Stängel der Pflanze mit ihren grasartigen Blättern befinden sich in der Regel ein bis drei Blüten, sagte Loki Schmidt. Jedes der ca. fünf Zentimeter langen Blütenblätter ist am Grund weißlich, es wird dann bis zur Spitze hin zunehmend blau-violett und ist von dunkelblauen Adern durchzogen. Während die Wildform der Blume ausschließlich auf Feuchtgebieten vorkomme, gedeihen zahlreiche speziell gezüchtete Sorten auch auf trockenen, kahlen Böden, zur Freude von zahlreichen Gartenbesitzern. Sie selbst habe vor Jahren schon in ihrem Garten die Schwertlilie um einen rotblättrigen japanischen Ahornbaum gepflanzt und erfreue sich Jahr für Jahr daran. Die Pflanze bildet einen dicken Wurzelstock aus, der ätherische Öle enthält; er verbreitet einen veilchenartigen Duft. Aus diesem Grund wird die Schwertlilie umgangssprachlich auch „Veilchenwurzel“ genannt. Früher gab man zahnenden Kindern gerne ein speziell zubereitetes Stück dieser Wurzel zur Beruhigung, auf dem sie herumnagen konnten. Die heute käuflich erhältlichen Veilchenwurzeln stammen selbstverständlich nicht von den wilden Arten, sondern von den gezüchteten Formen.

Die Blume des Jahres 2010 wird in Europa bereits seit dem Mittelalter von Blumenliebhabern besonders kultiviert. „Sie schwebt fast wie ein tropischer Schmetterling zur Blütezeit als eine ‚Sinfonie in Blau’ über den zarten Blättern“, schwärmte Loki Schmidt. Man sagt Karl dem Großen nach, dass er mit zur Verbreitung und Kultivierung der Sibirischen Schwertlilie beigetragen habe. Vor gut hundert Jahren gab es in Teilen von Deutschland, z.B. in der Lewitz noch große Bestände der Wildform der Iris, die aber der Bauwut und anderen Natur(bau)sünden der Menschen weichen musste. Die Menschen nannten sie hier liebevoll das „Juwel der Lewitz“. Einige größere Bestände finden sich auch am Bodensee, insbesondere in den zahlreichen Riedwiesen, zusammen mit anderen ebenfalls selten gewordenen Blütenpflanzen. So kann man hier  im Frühsommer, zum Beispiel im Wollmantinger Ried bei Konstanz, ein blaues Blütenmeer im Grün der Pfeifengraswiesen bewundern, wo (noch) zehntausende Blüten der Sibirischen Schwertlilie der Landschaft ihren besonderen Reiz verleihen. Allerdings währt die Blütezeit nur kurz, denn nach der Bestäubung vor allem  durch Hummeln und Schwebfliegen welken die Blüten rasch dahin. Es bildet sich bis zum Herbst die typisch dreikammerige Fruchtkapsel, in der kleine flache Samen heranreifen. Sie werden schließlich vom Wind herausgeschleudert und am Boden verteilt. Am Bodensee und Oberrhein befindet sich die westlich Ausbreitungsgrenze dieser europäisch-asiatischen Blume.

In Europa gab es in der minoischen Zeit (3000 bis 1200 v.Chr.), zum Beispiel auf Kreta, bereits stilisierte Iris-Abbildungen, man bildete sie später auch auf römischen Mosaik-Fußböden ab. Während der Barockzeit erfreute sich die Malerei an unendlich viele Pflanzendarstellungen, insbesondere auch von der Sibirischen Schwertlilie, der Iris.

Mit der Wahl der Sibirischen Schwertlilie verbindet die Stiftung den eindringlichen Wunsch, ja die Forderung an die Gesellschaft, dass diese Blume in Zukunft eine größere Beachtung und insbesondere einen umfassenderen nachhaltigen Schutz allenthalben finden möge.

                                                                                                   Hans Harress

                                            

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die Moorlilie

Blume des Jahres 2011

                                    Hans Harress
 

Von der „Stiftung Naturschutz Hamburg“ und der „Stiftung Loki Schmidt“ wurde die Moorlilie zur Blume des Jahres 2011 ausgewählt.


Begründung zur diesjährigen Auswahl

In diesem Jahr rückt die Loki Schmidt Stiftung die Moorlilie (Narthecium ossifragum) und insbesondere ihren gefährdeten Lebensraum, das Moor, bewusst in das öffentliche Bewusstsein. Der Grund: Die Moorlilie  gedeiht in Hoch- und Heidemooren sowie in Übergangsmooren und Feuchtheiden sowie in Moorgräben und braucht ein niederschlagsreiches, mildes Klima. Sie  bevorzugt feuchte bis nasse, nährstoffarme, saure, torfige Moorböden.

Da diese natürliche Umgebung durch die Einwirkung des Menschen immer mehr zurückgedrängt wird, zählt die Moorlilie inzwischen zu den bundesweit besonders gefährdeten Pflanzenarten, sie steht bereits auf der Roten Liste 3, die nach der Bundesartenschutzverordnung besonders zu schützen ist.
Moore sind nasse Lebensräume mit spezialisierten, hier charakteristischen Pflanzenarten. Der ständige Wasserüberschuss aus Niederschlägen oder Mineralbodenwässern führt zu Sauerstoffmangel und verhindert so die vollständige Zersetzung der abgestorbenen Pflanzenreste. Die Gefährdung von Mooren geht daher in erster Linie von (durch Menschen durchgeführte) Entwässerungen aus. Alle Maßnahmen von Entwässerungen haben dabei einen nachhaltigen Einfluss auf die Funktionen und Artenzusammensetzungen der Moore, also von Tieren und Pflanzen, so auch der Moorlilie, ihnen werden die Lebensgrundlagen genommen. Mit der Wahl von Narthecium ossifragum zur Blume des Jahres 2011 soll aber vor allem für die spezielle Moorflora und damit auch für die Erhaltung und Renaturierung von Mooren geworben werden.

Name

Die Pflanze galt lange Zeit als Lilienart. Heute wird sie zu den Germergewächsen gerechnet. Die Moorlilie wird volkstümlich auch Beinbrech, Egelgras, Stablilie, Ährenlilie, Heidgras sowie Schusterknief (Schustermesser) genannt. Der wissenschaftliche Name Narthecium ossifragum wird abgeleitet von griech. narthex = Stab und bezieht sich auf den stabförmigen Blütenstand. Der Name Beinbrech rührt vermutlich daher, dass die Moorlilie früher für Knochenbrüche im Moor beim Weidevieh verantwortlich gemacht wurde.  Eine weitere Erklärung besagt genau das Gegenteil, dass mit einer Salbe aus Beinbrech Knochenbrüche geheilt wurden.

Beschreibung

Die Moorlilie ist eine mehrjährige, ausdauernde, 10 bis 30 cm hohe Pflanze, die trotz ihrer Kleinheit wohlgefällig den Betrachter erfreut. Die ganze Pflanze hat einen feinen und starken nelkenartigen Geruch. Der klebrige, rötliche Stängel wächst starr aufrecht, verläuft unterirdisch weiter und hat dort einen Faserschopf. Dieser bildet Rhizome als Überdauerungsorgane aus. Die unteren ungestielten Laubblätter sind schwertförmig und erinnern an ein Schustermesser. Von Juli bis August bilden sich endständige, lockere, traubige Blütenstände, die 5 bis 8 cm lang sind. Die langgestielten Blüten messen 1 bis 1,5 cm im Durchmesser und besitzen sechs Blütenblätter, die innen gelb und außen grünlich sind. Vor jedem der sechs Blütenblätter befindet sich ein Staubblatt mit wollig behaarten Staubfäden und ziegelroten Staubbeuteln, die eine Reihe von Insekten zur Bestäubung anlocken. Nach der Blüte werden dünnwandige, ovale Kapselfrüchte ausgebildet. Sie enthalten 7 mm große, hellgelbe Samen, oben und unten mit einem fadenförmigen Anhängsel versehen. Im Herbst verfärben sich die Fruchtstände dunkelorangerot.

Diese Pflanzenart gehört zu den Charakterpflanzen der nordwestdeutschen Heide- und Moorflora und ist sehr selten geworden. Sie hat ein nur sehr kleines Verbreitungsgebiet, so in den atlantischen Klimaregionen Mittel- und Nordeuropas, unter günstigen Bedingungen kommt sie isoliert auch in den Mittelgebirgen und Moorregionen östlich des Rheins vor. Aber nicht in allen Mooren ist die Moorlilie zu finden. Außer im Naturschutzgebiet Fischbeker Heide kommt die Moorlilie auch im Raakmoor, im Eppendorfer Moor und in den Hummelsbütteler Mooren vor. Neben diesen Gebieten gibt es einen weiteren Bestand im Poppenbüttler Graben, einem Bereich, der als Naturdenkmal gesichert ist. Natürlich darf nicht nur der Hamburger Raum betrachtet werden. Die Moorlilie kommt in Deutschland auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein in den Mooren im feuchten atlantischen Klimabereich vor. Einzelvorkommen gibt es darüber hinaus in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Der Beinbrech ist sehr selten und man findet ihn meist nur in kleinen Populationen.
Die Moorlilie kann heute aber auch als Gartenpflanze kultiviert werden. Damit das gelingt, benötigt man einen kalkarmen, mineralstoffarmen, mageren Boden mit Sand oder Torf. Die Moorlilie muss dauerhaft feucht gehalten werden, da sie eine Moorpflanze ist. Sie sollte möglichst mit Regenwasser gegossen und nicht gedüngt werden. Allerdings haben sie nur wenige Staudengärtner in ihrem Sortiment. Auf keinen Fall darf die Moorlilie für gärtnerische Zwecke aus der Natur entnommen werden.

Mit Loki Schmidt verlieren Deutschland und ihre Stiftung eine Frau der Stärke, die sich unter anderem unermüdlich für den Naturschutz einsetzte. An ihrem Todestag benannte ihre „Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen” die Moorlilie zur Blume des Jahres 2011.

 

Links:

http://www.stiftung-naturschutz-hh.de/

Rede zur Vorstellung der Blume des Jahres 2011 verfasst von Loki Schmidt

 

Jährlich wird eine Blume des Jahres vorgestellt.

Sie soll „Menschen immer wieder über den ökologischen Wert der Pflanzenwelt und über die Notwendigkeit des Schutzes aller bedrohten Arten informieren“ (Loki Schmidt).

 

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Nachtrag: Verlust an Pflanzenarten schadet der Biodiversität

Universität Bern - 28.10.2010

Die Pflanzenvielfalt bestimmt die Biodiversität: Der Rückgang von Pflanzenarten mindert kaskadenartig die Anzahl und Vielfalt aller Mitglieder der Nahrungskette. Dies geht aus einer Studie über eines der weltgrößten Biodiversitätsexperimente hervor, an dem Berner und Zürcher Forschende mitwirken.

Nimmt die Anzahl der Pflanzenarten in einem Gebiet ab, nimmt die Vielfalt aller anderen Organismen ebenfalls ab. Dies zeigt die Studie einer internationalen Forschergruppe über Biodiversität unter Beteiligung von Markus Fischer vom Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern und Bernhard Schmid vom Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich. So wichtig ist die Vielfalt der Pflanzenarten, dass sie die Vielfalt der höherstehenden Ebenen der Nahrungskette wie Pflanzen- oder Fleischfresser von unten her bestimmt. Dies widerspricht der These, dass räuberische Tiere von oben her die Artenvielfalt steuern. Die Studie wurde nun im Fachjournal «Nature» publiziert.

Mehr unter: http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/fakten/ufaoe032.html

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 Die Heidenelke


Blume des Jahres 2012 

                                                                                                

                                                                                     Hans Harress

Die Loki Schmidt Stiftung Naturschutz Hamburg hat die Heidenelke (Dianthus deltoides) zur Blume des Jahres 2012 ernannt. Damit soll erneut für den besonderen Schutz einer bedrohten Pflanze geworben und die Öffentlichkeit für die Blume besonders sensibilisiert werden, die in vielen Bundesländern bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt wird. Die Blume des Jahres steht immer auch für einen bedrohten Lebensraum. Bei der Heidenelke sind dies Heidegebiete, Trockenrasen, Wiesen, aber auch Wegränder auf magerem, trockenem Boden.

            Die purpurroten Blüten der Heidenelke schweben ab Juni über trockenen Wegrändern und Heiden. Früher war sie in sandigen Gegenden ein allgegenwärtiger sommerlicher Anblick. „Der Rückgang der Heidenelke beruht auf der immer intensiveren kommerziellen Nutzung unserer Landschaft“, so Axel Jahn, der Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung. „Wiesen und Trockenrasen werden aus wirtschaftlichen Gründen immer häufiger zu Äckern und Forsten umgewandelt, die intensive Düngung der Flächen fördert konkurrenzstarke Arten, die nunmehr die Heidenelke und andere Arten verdrängen. Am Rande von Ortschaften werden ihre Standorte gern als Bauland ausgewiesen, hier entstehen dann vielfach Sportanlagen und/oder Gärten. Auch der sich immer weiter ausbreitende Maisanbau insbesondere für Biogasanlagen führt zu einer gravierenden Veränderung unserer Landschaft, die für Arten wie die Heidenelke kaum noch Lebensraum lässt. Selbst Wegränder, oft ihre letzten verbleibenden Rückzugsorte, verändern sich durch gärtnerische Bearbeitung, durch Nährstoffeinträge aus der Luft oder aus Hundekot. An anderen Stellen führt eine Aufgabe traditioneller Nutzungsformen und der Aufwuchs von Gebüsch oder Wald zum Verschwinden einer ganzen Lebensgemeinschaft. So ist es nicht verwunderlich, dass die hübsche Heidenelke und ihre Begleitflora gefährdet sind.“
            Die mehrjährige Heidenelke gehört zu den Nelkengewächsen und bildet kleine Horste oder Rasenteppiche. Sie erreicht eine Wuchshöhe von 10 bis 40 cm. Die stark verzweigten, aufrechten Stängel tragen schmale Blätter, wie sie für Pflanzen trockener Standorte typisch sind. Die Blüten messen ein bis zwei cm im Durchmesser und besitzen fünf purpurrote bis lilafarbene Blütenblätter. Diese sind außen gezähnt, tragen einzelne weiße Punkte (wie Heidesand) und zur Mitte hin eine unregelmäßige rote Linie, die insgesamt einen Kreis innerhalb der Blüte bildet. Vom Juni bis in den September sind die Blüten der kleinen Nelken zu entdecken. Weil sie Wärme liebend sind, findet man sie kaum in Höhen über 1.000 Metern. In einem bei der Stiftung erhältlichen Kalender für das Jahr 2012 wird die Blume des Jahres und ihr Lebensraum vorgestellt.

            Mit der Bekanntgabe der Blume des Jahres 2012 am 21. Oktober 2011 erinnert die Loki Schmidt Stiftung Naturschutz Hamburg an ihre Gründerin Loki Schmidt, die sich viele Jahrzehnte für den Naturschutz in Deutschland eingesetzt und die Aktion „Blume des Jahres“ im Jahr 1980 ins Leben gerufen hat. Heute vor einem Jahr, am 21. Oktober 2010, ist sie nach einem erfüllten Leben im Alter von 91 Jahren verstorben.

 

http://www.stiftung-naturschutz-hh.de/

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