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 Die gigantische
Plastik-Vermüllung der Meere



bedingt große Gesundheitsgefahren
für Mensch, Tier
und Umwelt,
die von Plastik und seinen giftigen
Bestandteilen ausgehen

                                                                                             Verfasst 2010


Wer schon einmal Ferien an der Nord- oder Ostseeküste verbracht hat, kennt den Missstand, dass das Meer jeden Tag an den Strand mehr oder weniger große Mengen von Plastikmaterialien aller Art anschwemmt. Ob ausgediente Plastikstühle, Plastikkisten, Sandalen, Folien, Flaschen, Kanister, Netze oder Netzteile, Stricke und vieles andere aus Kunststoff, man findet dort alles Mögliche, was die einschlägige Kunststoffindustrie weltweit hergestellt hat. Dieser unschöne Müll stammt vielfach von Schiffen, deren Besatzungen achtlos und ohne Verantwortungsgefühl für die Umwelt das Material, gegen strenge internationale Vorschriften, einfach über Bord entsorgt haben mit der Auffassung - ex und hopp, nach mir die Sintflut, das Meer ist unendlich groß. 6,4 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle landen jedes Jahr in den Weltmeeren. Die Politik hat dieses Problem bisher sträflich vernachlässigt und schützt mit Vorzug die Plastikindustrie.


Zweifelsohne, wir zivilisierten Menschen sind seit 100 Jahren Kinder des Plastikzeitalters: Vom Babyschnuller bis zur Trockenhaube, von der Bade-Ente bis zum Auto, von der Kunststoffflasche bis zum Lockenwickler - Plastik gibt es überall und allenthalben im Haushalt, in der Technik und auch im Weltraumlabor. Doch findet man inzwischen in den sieben Weltmeeren sechsmal mehr Plastikteilchen als Plankton und selbst im Blut der Menschen ist Plastik in feinster Art nachweisbar mit gefährlichen gesundheitlichen Folgen! Die Menge an Kunststoffen, die wir seit Beginn des Plastikzeitalters produziert haben, reicht aus, um unseren gesamten Globus gut sechs Mal in Plastikfolie einzupacken! Allein in Europa werden Jahr für Jahr etwa 60 Millionen Tonnen Plastik produziert, weltweit mehr als 250 Millionen Tonnen. Ganz  selbstverständlich werden die meisten Kunststoffprodukte nach einmaligem Gebrauch entsorgt, d.h. weggeworfen, wie insbesondere Verpackungen für Lebensmittel und Getränke. Die Kunststoff-Industrie macht gut 800 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Allein in Europa verdienen eine Million Menschen ihr tägliches Brot unmittelbar mit dem Produkt Plastik. Jeder Industriezweig ist heute auf Kunststoff angewiesen. Es ist ein glänzendes Geschäft.

Es gibt inzwischen Kunststoffarten, die derart robust und widerstandsfähig sind, dass sie sich nicht im Meer einfach auflösen, sie bleiben über sehr lange Zeit erhalten; Forscher rechnen mit einem Zeitraum zwischen 200 bis 500 Jahren oder länger. Diese Langlebigkeit von Plastik ist zwar für bestimmte Produkte eine sehr erwünschte Eigenschaft für die Hersteller und Verbraucher, in diesem Falle aber wirkt sie sich in vielfacher Weise verheerend aus. Auf die herumtreibenden Plastikgegenstände im Meer wirken permanent Wind, Sonne und Wellen und am Strand bzw. an der Küste zusätzlich noch Sand und Steine (Felsen) in einer Weise ein, dass das Material zu immer winzigeren Partikeln zerkleinert wird, an die sich Algen und andere biologische Substanzen anheften und mitschwimmen. Fische und Vögel nehmen solche Partikel auf im Glauben, es sei Nahrung, mit oftmals qualvollen tödlichen Folgen. Die alarmierende Warnung von der Umweltschutzorganisation Greenpeace lautet: Mehr als eine Million Seevögel und 100.000 Meeressäugetiere und Schildkröten gehen jährlich an den Überresten von Plastikmüll zugrunde, der in den Ozeanen treibt.

Kunststoffe enthalten vielfach gefährliche Giftstoffe, z.B. durch die Weichmacher, das sind insbesondere die nicht ungefährlichen Chemikalien Bisphenol A, Phtalate, Nonylphenole, Octylphenole oder Styrolverbindungen, die beim Zerfall der Plastikstoffe freigesetzt werden, die sich im Magen der Vögel und Fische lösen und in deren Organismus übergehen. Mit dem Fischverzehr gelangen diese Giftstoffe dann auch in den Organismus des Menschen. Das Bisphenol A steht in dringendem Verdacht, das Hormonsystem von Tieren, nach neueren Forschungen auch von Menschen massiv zu stören und sogar Erbgutveränderungen auszulö-sen. Bisphenol A dient unter anderem als Ausgangsstoff zur Produktion von so genannten Epoxidharzen und Polycarbonaten und ist beispielsweise in Babyfläschchen, Schnullern,
Plastikschüsseln und Folienverpackungen in größeren Mengen enthalten. Somit gefährdet es auch massiv die Gesundheit der Menschen. Die ebenfalls hormonell wirksame und in Deutschland bereits verbotene Chemikalie Nonylphenol wurde in fünf Wasserspielgeräten und Schwimmhilfen in Untersuchungen in Österreich gefunden, da sich manche Hersteller nicht an Verbote halten.

Zu den von den Forschern nachgewiesenen gefährlichen Substanzen gehören zudem auch weitere Umweltgifte wie Styrolmonomere, die in Verdacht stehen, eine krebsauslösende Wirkung zu haben. „Damit haben wir eine neue Quelle globaler Kontamination enthüllt, die auch noch in ferner Zukunft vorhanden sein und weiter stark zunehmen wird“, prognostizierte der Forscher Katsuhiko Saido von der Nihon Universität in Chiba auf einer Veranstaltung in Washington. Er warnte insbesondere vor einer schleichenden immer weiter zunehmenden Gefahr. Darauf deuten jedenfalls neuere Ergebnisse hin, die die japanischen Wissenschaftler auf dem Treffen der American Chemical Society in Washington 2009 vorgestellt haben. Sie konnten in einer neuen Studie zeigen, dass bestimmte Kunststoffabfälle unter Bedingungen wie im freien Ozean schneller zerfallen als bisher gedacht und somit große Mengen der im Plastik enthaltenen Giftstoffe ans Meer und deren zahllose Bewohner abgeben. Die Gifte sind inzwischen überall nachweisbar. Sie befinden sich in unserem Essen, in unseren Getränken, in unseren Schuhen, in unseren Kleidern, in unserem Blut. Sie finden sich ferner in unseren Autos, Wohnungen, Teppichen, Vorhängen und Gebrauchsgegenständen aller Art, also einfach überall. Die Forscher wissen von der Zunahme von Allergien, von Krebs, von all den Problemen mit endokrin/hormonell wirksamen Stoffen und sie warnen entsprechend eindringlich.

Große Sorgen bereitet den Wissenschaftlern und Umweltschützern darüber hinaus, dass sich die Kunststoffabfälle - vor allem die winzig kleinen Plastikteilchen - längst als regelrechte „Fallen“ für Dauergifte wie DDT oder PCB entpuppt haben. Aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften können sich diese bei uns längst verbotenen Persistant Organic Pollutants (POPs) an die Abfallpartikel problemlos anlagern. Und das so lange, bis eine millionenfach erhöhte Konzentration im Vergleich zum umgebenden Meerwasser erreicht ist, wie japanische Forscher um Hideshige Tanaka von der Universität Tokio zusammen mit Kollegen von der Universität von Plymouth betonen.

Bisphenol A ist eine hormonell wirksame Chemikalie


Bisphenol A (BPA) ist ein chemischer Stoff, der das Hormonsystem von Menschen und Tieren beeinflusst, da er östrogenartige Wirkungen hat. Stoffe mit hormonartigen Wirkungen werden als „Endokrin wirksame Substanzen“ (endocrine disrupting chemicals, EDC) bezeichnet. Das endokrine (hormonelle) System reguliert viele Körperfunktionen, dazu gehören u.a. unser Stoffwechsel, das Immunsystem, Verhalten und Wachstum sowie die Organentwicklung während der Schwangerschaft und in der Kindheit.

Die Störung des Hormonsystems durch EDC wurde mit verfrühter Geschlechtsreife bei Mädchen, Übergewicht bei Erwachsenen und Jugendlichen, Diabetes Typ 2 (früher als Altersdiabetes bezeichnet), einer Zunahme an Prostata- und Brustkrebsfällen, sowie mit der Abnahme der Spermienzahl und Fehlbildungen der Sexualorgane in Verbindung gebracht.

Obwohl Bisphenol A nicht natürlich vorkommt, ist diese Chemikalie in fast allen Umweltmedien nachzuweisen, auch im menschlichen Körper, hier im Urin, Blut, Fruchtwasser, Follikelflüssigkeit, Gebärmuttergewebe und im Blut der Nabelschnur. Eine repräsentative Studie (über 2.500 Teilnehmer) wies für 92,6 % der US-Bevölkerung Bisphenol A im Urin nach. Die Konzentrationen reichen dabei von 0,4 bis 149 Mikrogramm pro Liter (μg/l). (Calafat et al 2007).

Kinder sind am stärksten belastet

Alle bisher veröffentlichten Studien zeigten bei Kindern die höchsten Belastungen, also bei dem Anteil der Bevölkerung, der gegenüber Bisphenol A und seinen Folgeschäden am empfindlichsten und nachhaltigsten reagiert. Die vorhandenen Untersuchungen während der kritischen Entwicklungsphasen von Föten im Mutterleib weisen darauf hin, dass diese Chemikalie während der Phasen vor und nach der Geburt besonders schädlich ist und sogar Auswirkungen auf Folgegenerationen hat. Darauf weist der Bund für Umweltschutz (BUND) hin: „Da Chemikalien im Plastik nicht fest gebunden sind, können sie mit der Zeit entweichen und dann in die Umwelt übergehen oder vom menschlichen Körper aufgenommen werden. Besonders weitreichende Auswirkungen haben dabei hormonell wirksame Substanzen. Dazu gehören neben Weichmachern (Phthalate) bromierte Flammschutzmittel (z.B. in Polstergarnituren oder zahlreichen Elektronikartikeln), Bisphenol A und
Organozinnverbindungen. Sie greifen in das fein ausbalancierte Hormonsystem ein, das alle Stoffwechselvorgänge des Körpers steuert. Hormonelle Schadstoffe wirken selbst bei niedrigsten Konzentrationen und können sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken. Eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen wird mit ihnen in Verbindung gebracht: Bei Jungen kann die Belastung mit hormonellen Chemikalien zu Missbildungen der Geschlechtsorgane und sogar zur Unfruchtbarkeit führen, bei Mädchen können verfrühte Pubertät sowie, im späteren Alter, Brustkrebs die Folge sein. Auch Diabetes und Asthma, Krankheiten, die in den vergangenen Jahren verstärkt aufgetreten sind, können im Zusammenhang mit der Belastung durch hormonelle Stoffe stehen.“

Mehr Verbraucherschutz gefordert

Für den Menschen ist Kunststoff nicht nur billig und praktisch: In den vielen Alltagsprodukten aus Plastik befinden sich hochgiftige Inhaltsstoffe, die sich aus dem Kunststoff lösen und so zu gravierenden gesundheitlichen Schäden führen können. Experten schätzen, dass heute über 30.000 verschiedene Chemikalien bei der Produktion von Alltagsprodukten aus Plastik eingesetzt werden. Viele davon sind noch nicht ausreichend genug untersucht worden, kritisiert weiter der Bund für Umwelt und Naturschutz. Und so können mögliche Gesundheits- und Umweltrisiken nicht ausgeschlossen werden. Patricia Cameron vom BUND fordert daher, dass auf Plastikbehältern vor gefährlichen Inhaltsstoffen gewarnt werden muss.

Warum wird Bisphenol A nicht verboten?

Die Meinung der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und anderer Behörden, die kein Risiko durch Bisphenol A sehen, lautet: Ein Verbot von BPA würde unweigerlich dazu führen, dass die Hersteller von Verpackungen und Bedarfsgegenständen (Produkte für den Lebensmittelkontakt) auf andere Stoffe ausweichen müssten, deren Toxizität weniger gut bekannt ist. Das würde bedeuten, dass ein gut charakterisiertes Risiko durch ein deutlich schlechter einschätzbares Risiko ersetzt würde. Verbraucherschützer sind „sprachlos“ angesichts solcher fadenscheiniger Argumentationen, statt gewissenhafte Tests auf Verträglichkeit und Unbedenklichkeit vor Einführung neuer Produkte vorzuschreiben.

Die Konsumenten wissen nicht, woraus Plastik ist

Bisphenol A - das Weichmacherprodukt für Plastik, kann, wie inzwischen nachgewiesen wurde, schon in sehr geringen Mengen gefährlich werden, möglicherweise sogar das Erbgut schädigen. Über die Kunststoff-Verpackungen und Behältnisse aller Art gelangt der Wirkstoff in unsere Nahrung. Natürlich könnten wir uns dagegen wehren. Doch dazu müssten wir überhaupt wissen, welche dieser schädlichen Wirkstoffe in welcher der zahlreichen verschiedenen Kunststoff-Verpackungen enthalten sind. Soll heißen: Die Konsumenten wissen in der Mehrheit nicht, woraus Plastik hergestellt wird, in dem ihre Nahrung, wie z.B. Käse, Wurst, Joghurt, Sahne, Fisch, Fleisch, Getränke, Pralinen und vieles andere mehr verpackt wird. Auch die herstellende und verarbeitende Nahrungsmittelindustrie weiß in der Regel nicht, woraus das Plastik hergestellt wird, in das sie ihre Erzeugnisse verpacken und verkaufen. Möglicherweise will sie das auch gar nicht so genau wissen. Natürlich weiß die Plastikindustrie das sehr genau. Aber sie verrät es nicht mit dem Argument: Das ist unser Betriebs- und Herstellungsgeheimnis. Und wenn die Politik wirklich mal Druck macht, schickt sie eben ihre klugen und redegewandten Lobbyisten vor, die die Angelegenheit in ihrem Sinne regeln.

Zurück zum Meer: Kleinere Fische, die die unterschiedlichen Giftstoffe mit dem Plastikmüll aufgenommen haben, werden von immer größeren Fischen oder Vögeln gefressen, so dass sich die aufgenommenen Giftstoffe in immer größeren Mengen anreichern und konzentrieren. Auch der Mensch nimmt das Fleisch von Fischen und Vögeln als Nahrung auf und damit diese nunmehr konzentrierten Giftstoffe. Viele Seetiere, die derartige Plastikteile fälschlich als Nahrung aufnehmen, müssen deshalb auch vielfach elendig sterben, weil die scharfen Ecken und Kanten des Plastiks ihre Magen- und Darmwände verletzen und/oder aufreißen. Hinzu kommt, dass das den Magen füllende und dort verbleibende Plastikmaterial unverdaulich ist, so dass die Tiere mit vollem Magen buchstäblich verhungern. Vogelschützer auf Helgoland müssen ohnmächtig zusehen, wie zahlreiche dort an unzugänglichen Stellen brütende Vögel immer wieder sterben, weil sie Nistmaterial aus Plastik, wie Netzteile oder Seile aus dem Meer holen, mit dem sie sich selbst oder ihre Jungen strangulieren oder fesseln. So ist die ungebremste Vermüllung der Meere eine teure und vielfach tödliche Hinterlassenschaft  unserer verantwortungs- und gedankenlosen Wegwerfgesellschaft und sie gefährdet die biologische Vielfalt in hohem Maße. Die bisher erfolgten eher zaghaften Gegen- und Rettungsmaßnahmen greifen bisher kaum. Die zuständigen verantwortlichen Bürokraten und Aufsichtsgremien scheinen sich der Haltung der Seeleute anzuschließen: Nach uns die Sintflut, denn sie unternehmen so gut wie nichts dagegen.

Da die Vermüllung der Meere inzwischen gigantische Ausmaße angenommen hat, es wurden bereits acht riesige Müllansammlungen in allen Weltmeeren entdeckt, wird das Problem seit langem schon als Globale Vermüllung auf einer globalen Deponie bezeichnet. Man spricht in Umweltschutzkreisen bereits vom »achten Kontinent«. Das ist kein Seemannsgarn und kein Märchen, sondern entspricht der Realität. In Teilen zum Beispiel des Pazifiks wurden, durch die hier vorherrschenden Meeresströmungen verursacht, Müllansammlungen beobachtet, die in ihrer Ausdehnung nach Schätzungen fast schon die doppelte Größe von Mitteleuropa erreicht haben. Diese unvorstellbar gigantische Ansammlung von Kunststoffmüll, der sogenannte Great Eastern Pacific Garbage Patch, besteht aus Millionen Tonnen Zivilisationsmüll, den die Meeresströmungen zwischen Nordamerika und Hawaii zusammengetrieben haben und der stetig an Volumen zunimmt. Die Strömungen und der Nordpazifikwirbel, der größte Strömungskreis der Ozeane, lässt den riesigen Müllteppich langsam permanent um sich rotieren. Angetrieben wird der Müllwirbel von der Erdrotation sowie von Winden.

Etwa 70 Prozent des Plastikmüll sinkt nach und nach auf den Grund der Meere oder schwimmt unsichtbar unter der Meeresoberfläche, wo er sich über und schließlich auf dem Meeresboden verteilt und dort riesige Unterwassermüllhalden bildet. Dieser Unrat besteht neben Holzabfällen und Metalldosen überwiegend aus Plastik, das sind neben den bereits aufgeführten Gegenständen z.B. Wegwerfrasierer, Zahnbürsten, Kleidungsstücke und Verpackungsmaterial, Seilreste und insbesondere ganze Netze oder Netzteile, Material also, wie es auch an der Nord- und Ostseeküste ständig ans Ufer geschwemmt wird. Sie zeugen von der massenhaften Ausbreitung von Kunststoffen als universellem Werkstoff seit den 1950er Jahren.

Ab über Bord - oder ex und hopp

Nach mehrjährigen Untersuchungen von Meeresschutz- und Umweltexperten beim Umweltschutzprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) gelangen etwa 60 bis 80 Prozent des Kunststoffmülls über Flüsse in die Meere. Auf diesem Weg entsorgen noch immer zahlreiche verantwortungslos handelnde Städte, Gemeinden und Kommunen ihren Müll, auch in Europa, weil es für sie „einfach“ und vor allem billig ist. Hinzu kommen zahllose offene ungeschützte Mülldeponien in Küstennähe, aus denen der Wind bzw. Sturm riesige Mengen von Abfällen permanent in die offene See treibt; das sind zusätzliche Quellen der fortlaufenden Vermüllung der Meere. Weitere wichtige Faktoren diese Umweltverschmutzung bilden, wie schon dargestellt, die internationale Schifffahrt und die Fischerei. Alle Sorten von Müll, der auf See massenhaft anfällt und teuren Stauraum an Bord in Anspruch nehmen würde, wird häufig hier sogar zuerst geschreddert und dann »seebestattet«. Hinzu kommt der Verlust von Teilen der Ausrüstung oder der Fracht, insbesondere bei stürmischer See und hohem Wellengang. Allein mit rund 640.000 Tonnen macht die im Wasser treibende oder auf Grund gesunkene Fischereiausrüstung ein Zehntel des Mülls in den Weltmeeren aus.


Besondere Berühmtheit erlangte der Fall der »Friendly Floatees«, der seinerzeit durch alle Medien ging. Im Januar 1992 verlor ein Frachter im Ostpazifik mehrere seiner Container im Sturm, einige darunter u.a. mit ca. 29.000 bunten Quietsche-Entchen aus Kunststoff. Statt in privaten Badewannen und auf Teichen zu schwimmen, trieb das gelbfarbene Spielzeug nun jahrelang über die Weltmeere und wurde an den Stränden von Alaska, Australien, Südamerika und sogar von Irland und Schottland angespült. Auch wenn manche Ozeanforscher Freude an diesem Ereignis hatten, weil sie dadurch die Strömungen der Weltmeere aufs Beste studieren konnten, so versinnbildlichte die lange Reise der Entchen, dass  Plastikmüll als »größter Umweltzerstörer der Ozeane« eine globale Herausforderung darstellt, wie es ein UNEP-Bericht vom April 2009 einschätzt. In ihm wird auf gravierenden ökologischen, wirtschaftlichen, gesundheitlichen und ästhetischen Folgen dieses Problems hingewiesen und die Verfasser der Studie fordern mit Nachdruck umgehende breit angelegte regionale Aktionspläne.

Der Zustand an Nord- und Ostsee

Nicht nur auf den großen Ozeanen ist die massenhafte und „kostenlose“ Müllentsorgung über Bord zu einem äußerst gefährlichen Problem besonders für die Pflanzen- und Tierwelt geworden, auch in den Gewässern der Nord- und Ostsee ist es zu unerträglichen und nicht länger tolerablen Zuständen inzwischen gekommen. Die vielfältigen negativen und umweltzerstörenden Auswirkungen der Abfälle, insbesondere des Plastikmülls im Meer, sowie die seit Jahren beobachtete Situation an der Nord- und Ostsee hat das Umweltbundesamt (UBA), die für ganz Deutschland zuständige staatliche Umweltbehörde, schon seit langem untersucht. Dieser Abfall wird als ein äußerst ernstes Gefährdungspotential für alle tierischen und pflanzlichen Meereslebewesen bezeichnet, aber auch die Bewohner der Küstenstreifen beklagen sich über die ständige zunehmende Vermüllung und Verschmutzung ihrer Strände, die ihnen durch die notwendige Säuberung und Entsorgung des Mülls hohe zusätzliche Kosten bescheren und mögliche Gäste vertreiben. Leidtragende dieses Zustandes sind aber auch die Fischer, deren Netze vielfach Schäden nehmen, oder die Brut der Fische, da zahllose Kleinfische am zerrieben Plastikmüll, den sie als Nahrung aufnehmen, eingehen. Das Verheddern und Verfangen in den größeren und kleineren Müllteilen oder insbesondere auch in verloren gegangenen oder einfach über Bord entsorgten defekten Fischernetzen sowie die orale Aufnahme der bis zu mikroskopisch kleinen Partikel aus Plastik führen vielfach zum qualvollen Ersticken oder Verhungern von Seevögeln, Delphinen, ja sogar von Walen und andere Meeresbewohnern, so auch durch die Nahrungskette. Es verwechselt, als Beispiel, der Eissturmvogel häufig Plastikteilchen mit Nahrung und verendet schließlich durch Verhungern, da der Müll im Magen unverdaulich ist und keinen Platz mehr für seine Fischnahrung verbleibt. Und in Südeuropas Meeresgewässern krepieren die Schildkröten, weil sie im Wasser treibende Plastiktüten - die dünnen weißen oder transparenten - für Quallen halten und fressen. Die zu Mikroplastik-Partikel zerriebenen einst größeren Plastikteile setzen unterschiedliche Chemikalien frei und/oder reichern dadurch mit giftigen Schadstoffen das Wasser der Meere an. Chemische Substanzen gelangen so in die Nahrungskette von Tier und Pflanzen und schließlich auch von Mensch. Das ist, wie schon erwähnt, der gefährliche und hormonell wirkende chemische Stoff Bisphenol A, ein Weichmacher, eine nicht natürlich vorkommende Substanz. Bisphenol A kann auf Föten im Mutterleib schädigend wirken, das Gehirn und somit das Gedächtnis beeinträchtigen und zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Blutuntersuchungen an Besuchern des Films „PLASTIC PLANET“, der sich mit diesem Thema ausführlich und sehr kritisch auseinandergesetzt hat, bestätigten die Ergebnisse, dass sich im Blut der Bevölkerung eine hohe Zahl von (bedenklichen) Chemikalien - u.a. aus Kunststoffen freigesetzt - befinden. Daher sind strengere Regelungen, was den Einsatz von Chemikalien in Plastikprodukten etc. betrifft, ebenfalls aus ärztlicher Sicht dringend erforderlich.

Als die wohl wichtigste Eintragsquelle von Plastikmüll in deutsche Meeresgebiete wurde die Schifffahrt und Fischerei ausgemacht. Während für die Ostsee der Informationsstand derzeit noch unzureichend ist, konnte für die Nordsee eine hohe Mülldichte nachgewiesen werden. Bereits zehn Prozent des Weltmülls lagern allein auf dem Meeresboden der viel befahrenen Nordsee. Jahr für Jahr gelangen ca. 20.000 Tonnen Abfall in dieses teils hochsensible Gebiet, in dem alle Arten von Nutzungen durch Menschen, Tiere und Pflanzen besonders intensiv ausgeprägt sind. Die Menge blieb nach Beobachtung, trotz intensiver Aufklärung, im letzten Jahrzehnt etwa konstant. Um das Problem einigermaßen in den Griff zu bekommen, empfiehlt das Bundesumweltamt ein besseres Umwelt-Monitoring sowie eine deutliche Verstärkung der Vor- und Nachsorge. Dazu zählt insbesondere die Durchsetzung einer kostenfreien Müllannahme für Schiffe in europäischen Häfen, die auch schon für Altölreste angestrebt und teilweise erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Umfassende Kontrollmaßnahmen
sind dringend erforderlich


Bereits im Jahr 1978 wurde die Entsorgung jeglicher Kunststoffgegenstände ins Meer durch Schiffe weltweit verboten durch das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung (MARPOL). Wie unschwer zu erkennen, halten sich die meisten Besatzungen der Schiffe und die verantwortlichen Kapitäne nach wie vor nicht an solche Vorschriften und schon gar nicht die Landbewohner, die ihre Abfälle verantwortungslos via Flüsse entsorgen. Darum hat sich die Müllbelastung in Nord- und Ostsee und auf allen anderen Meeren seitdem nicht verbessert, im Gegenteil, die Müllhalden werden immer größer. Zurückzuführen ist dieser Zustand auf das Fehlen einer wirksamen Überwachung und das diffuse Spektrum von Verursachern, abgesehen von wirkungsvollen Strafen. Da Müll leicht des Nachts über Bord entsorgt werden kann, sind Kontrollen, z.B. aus der Luft, nahezu unmöglich. Im Juli 2008 trat die europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) in Kraft. Vor allem EU-Staaten mit bedeutender Fischerei und Wirtschaftslobbyisten haben sich allerdings als ausgesprochene Bremser betätigt. Auch in Deutschland ist man weit davon entfernt, Umweltrecht über  Wirtschaftsinteressen zu setzen. Stefanie Werner, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Meeresschutz am UBA, drückte es so aus: „Wir kämpfen dafür, wenigstens auf Augenhöhe zu verhandeln.“ Was mit den gewaltigen Mengen Müll z.B. im Pazifik geschehen soll, muss oder kann, weiß niemand. Bisher haben sich nur Umweltschutzorganisationen dieses Problems angenommen, die von Zeit zu Zeit per Schiff die immer weiter wachsenden Müllhalden in den Meeren begutachten und dokumentieren. Die Regierungen der unterschiedlichen Länder schauen bisher sämtlich weg.

Riesiger Strudel von Plastikmüll
auch im Atlantik entdeckt


In jüngster Zeit sind US-Forscher auch im Nordatlantik auf mehrere ausgedehnte Flächen von Plastikmüll aller Art gestoßen sowie auch im Indischen Ozean. Die größte Dichte und Menge entdeckten sie oberhalb der Karibischen Inseln. Dort schwammen bis zu 200.000 Plastikstücke je Quadratkilometer auf der Meeresoberfläche. Die Zone unter der Meeresoberfläche und auf dem Grund, wo sich erfahrungsgemäß sehr viel mehr Plastikmüll befindet, wurde an dieser Stelle bisher noch nicht untersucht. Der Fund wurde im Februar 2010 bei einem Treffen von Meeresforschern in Portland (Oregon) vorgestellt. Die
Wissenschaftler befürchten, dass sich noch an sehr vielen weiteren Stellen in den Meeren derartige maritime gefährliche Müllkippen befinden.

Fazit

Es hat sich in den vergangenen Jahren weltweit die Erkenntnis durchgesetzt, dass Kunststoffmüll ein äußerst wertvoller Rohstoff ist, aus dem erneut Plastik, ja sogar flüssiger Kraftstoff gewonnen werden kann. Würden Kunststoffabfälle konsequent weltweit systematisch gesammelt und wiederverwertet werden, ergäbe sich ein großes Einsparpotential vor allem an Erdöl, aus dem bekanntlich Plastik herstellt wird. Vermutlich muss der Preis für Erdöl aber erst um ein Vielfaches steigen, bevor die Produkte aus ihm, wie hier Plastik, systematisch gesammelt und sinnvoll wiederverwertet werden. Außerdem würden durch derartige Rückgewinnungsprozesse große Mengen von Giftstoffen unterschiedlicher Art, die bisher unkontrolliert in die Umwelt gelangen, zurückgehalten werden.

Angesichts der weltweiten Plastikschwemme müssten wir Europäer mit gutem Beispiel vorangehen und grundsätzlich neu denken,“ fordert der Meeresbiologe Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace, Deutschland, der mit dem Schiff Esperanza bei einem Hot-Spot (Plastik-Wirbel) im Nord-Pazifik war. Dort fand er und sein Forscherteam, dass Substanzen wie DDT oder PCB, die im Wasser nicht gelöst werden, sich an die Plastikteile ansetzen. Meerestiere fressen die Plastikteile und werden so zum zweiten Giftopfer. Größere Meerstiere schließlich, die die kleineren fressen, speichern die Gifte weiter und konzentrierter. So geht das immerfort, bis es beim Menschen ankommt, der die Meerestiere verspeist.„Wissenschaftler wiesen eine millionenfach höhere Konzentration der Dauergifte im Vergleich zum restlichen Wasser nach“, erläuterte Maack ferner. „Mittelfristig müssen wir daher Plastik produzieren, das biologisch abbaubar ist, zum Beispiel aus Maisstärke. Langfristig müssen wir aber komplett zurück zu biologisch abbaubaren, natürlichen Materialien wie Baumwolle, Glas, Holz und Leder. Jeder von uns weiß letztlich genau, wie er Plastikmüll vermeiden kann.“ Greenpeace führt weiter aus: „Doch statt ehrgeizigem Umweltschutz kommt aus Brüssel derzeit genau das Gegenteil: Die EU-Kommission blockiert jeden Vorschlag aus dem EU-Parlament, biologisch abbaubares Plastik zumindest für Verpackungsmüll vorzuschreiben. Einen solchen Plan gebe es derzeit nicht, schreibt die Behörde in einer Stellungnahme klipp und klar.“ Doch Thilo Maack, der schon seit elf Jahren gegen die Plastikflut anredet, will seinen Kampf so schnell nicht aufgeben. „Wenn mich meine Töchter irgendwann einmal fragen: Was hast du getan? - dann kann ich sagen: Ich habe im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht, das Problem anzugehen.“

Konkrete Bitte an die Bürger: Helfen Sie!

• Werfen Sie Müll nicht achtlos weg, sondern entsorgen Sie ihn in den dafür vorgesehenen Mülleimer.
• Ändern Sie Ihr Konsumverhalten: Kaufen Sie nur langlebige Produkte, z.B. aus Glas. So schonen Sie wertvolle natürliche Ressourcen und vermeiden Müll. Außerdem schützen Sie dadurch Ihre Gesundheit, indem Sie keine Giftstoffe aus dem Plastik mehr aufnehmen.
Nutzen Sie insbesondere Glas-Mehrwegflaschen aus der Region und eigene (Baumwoll)-Tragetaschen oder Körbe für den Einkauf.
• Trennen Sie Ihren Müll. Nur so ermöglichen Sie, dass z. B. Plastik überhaupt recycelt werden kann und nicht verbrannt wird.

Filmdokumentation zum Thema:

Ab Ende Februar 2010 wurde in deutschen Kinos der bemerkenswerte Film PLASTIC PLANET gezeigt von dem deutschen Regisseur Werner Boote. Dieser Film dokumentiert zahlreiche der oben dargestellten Fakten und geht darüber hinaus auch auf das Phänomen ein, dass die gesamte Erde, neben den Meeren, immer weiter durch Plastikgegenstände aller Art vermüllt wird und welche großen Gefahren für Mensch, Tier und Natur dadurch ausgehen. Dieser Film ist inzwischen auf entsprechenden Medien wie DVD käuflich erhältlich.

In PLASTIC PLANET sucht Boote, dessen eigener Großvater ein Pionier der Plastikindustrie war, weltweit nach Antworten und Lösungen für das Problem und deckt erstaunliche Fakten und unglaubliche Zusammenhänge auf. So stellt er zum Beispiel als einer der Ersten Fragen, die alle Menschen angehen: Kann Kunststoff unserer Gesundheit schaden? Wer ist verantwortlich für die Müllberge in Wüsten und Meeren? Wer gewinnt dabei? Wer verliert? In seiner Vorbesprechung zu diesem Film prognostiziert Boote: „Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken!“

Boote in einem Interview des ZDF  über seinem Film: „Wenn man an Plastik riecht, können durch die Nasenschleimhäute gefährliche Substanzen in unseren Körper dringen und unseren Hormonhaushalt beeinflussen. Ebenso können sie in den Körper gelangen, wenn man Plastik angreift, daraus trinkt oder isst. Viele Substanzen stehen in dem dringenden Verdacht, krebserregend zu sein, unfruchtbar zu machen, Autismus hervorzurufen, Allergien auszulösen usw. Die Liste der Gesundheitsgefahren, die von Plastik ausgehen, ist lang. Ich wünsche mir eine Kennzeichnungspflicht. Es muss auf den Plastikprodukten draufstehen, welche schädlichen Substanzen drin sind. Und wie viel Prozent der Substanzen unbekannt sind. Das kostet die Industrie kein Geld, hat aber zur Folge, dass der Konsument sich für das sichere Produkt entscheiden kann. Und dann sind die Kunststoffproduzenten gezwungen, von den billigen gefährlichen Substanzen Abstand zu nehmen.“

PLASTIC PLANET ist ein unterhaltsamer und äußerst investigativer Film, der zeigt, dass Plastik in der Tat zu einer großen Bedrohung für Mensch und Umwelt geworden ist. Mit PLASTIC PLANET reist der Zuschauer rund um den Globus und entdeckt dabei eine Welt, die ohne Plastik nicht mehr existieren kann, die aber gleichzeitig mit den vielfältigen Problemen und großen Risiken dieser Kunststoffe zu kämpfen hat. In PLASTIC PLANET findet und zeigt Regisseur Werner Boote auch erstaunliche Fakten und deckt unglaubliche Zusammenhänge auf. Mit eindrucksvollen Beispielen, wissenschaftlichen Interviews und faszinierenden Begegnungen entlarvt PLASTIC PLANET die schöne neue Plastikwelt und zeigt ihre teils grausame Kehrseite auf. Was machen wir aus Plastik, und was macht das Plastik mit uns und unserer Welt? Bootes bunter und rasanter Kinodokumentarfilm geht jeden Bürger auf unserem Globus an, es ist eine überraschende, packende und aufrüttelnde Rundreise durch das Plastikzeitalter im 21. Jahrhundert.

Regisseur und Autor Boote wollte es wissen und machte sich nach 10jähriger, intensiver Recherche auf eine Reise um die ganze Welt - von Kalifornien, Heimat der Silikonimplantate, auf die Mülldeponien von Indien bis zu Japans verschmutzten Stränden. Er besuchte Forscher in den USA und Österreich und Angehörige der an Krebs erkrankten Arbeiter aus Plastikfabriken in Italien, und er rückt so eine erhebliche, globale Problematik ins Bewusstsein der Menschheit, die nicht nur die Industrie allzu gern verdrängt bzw. bewusst verschweigt. Dabei findet er in seiner ebenso kurzweiligen wie aufrüttelnden Dokumentation einen guten Weg zwischen Sachlichkeit, persönlicher Motivation und lebendiger Darstellung der katastrophalen ökonomischen wie ökologischen Kreisläufe. Plastik ist verführerisch, doch darauf sollte nach diesem Film keiner mehr darauf hereinfallen! Humorvoll, scharfsinnig, unterhaltsam. Wer immer in der Lage ist, sich diesen Film anzusehen, sollte es im eigenen Interesse tun! Mehr unter:  www.plastic-planet.at  bzw. www.plastic-planet.de
.


DAS BUCH ZUM FILM (Kurzrezension)


Das Buch zum Film erschien am 19. Februar 2010 im Orange Press Verlag. PLASTIC PLANET - Die dunkle Seite der Kunststoffe - liefert Fakten, Hintergründe und Zusammenhänge zu den Filmbildern. Mit farbigem Bildteil, Fachglossar und einem Extra-Kapitel des Regisseurs zur Entstehung des Films. Der tägliche Kontakt mit Plastik ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Ob Designerlampe, Zahnbürste oder Auto: Kunststoffe ermöglichen seit Beginn des 20. Jahrhunderts Produkte, wie sie davor nicht denkbar waren. Allerdings hat diese Entwicklung eine dunkle Seite: Das vielseitige Material enthält Gifte, und unsere Wegwerfgesellschaft produziert es in Mengen, die für Natur und Mensch gefährlich sind.

Regisseur Werner Boote zeigt in seinem Film Plastic Planet, wie nah uns Plastik gekommen ist, auch da, wo wir es nicht vermuten. Jahrelange Recherchen führten ihn zu Wissenschaftlern, Herstellern und Verbrauchern in aller Welt, und im Buch zum Film ist nachzulesen, was er dabei erlebt und erfahren hat.

Plastic Planet liefert Fakten, Hintergründe und Zusammenhänge zu den Filmbildern. Darüber hinaus erzählt es die Kulturgeschichte des Wundermaterials, das über die Jahrzehnte jeden Bereich modernen Lebens besiedelt hat, und berichtet von den daraus entstehenden Folgen für unsere Gesundheit und das Ökosystem. Wer weiß schon, dass nur ein Prozent des weltweit hergestellten Styropors recycelt wird oder dass sich Plastik in unserem Blut nachweisen lässt und welche schwerwiegenden Folgen das haben kann? Und weil es gilt, ei-nen Ausweg zu finden aus dem Kunststoffdilemma, stellen Gerhard Pretting und Werner Boo-te abschließend verschiedene Lösungsansätze für eine zu entgiftende Umwelt vor.

Gerhard Pretting / Werner Boote:  PLASTIC PLANET – Die dunkle Seite der Kunststoffe - Orange Press -  224 Seiten, Klappenbroschur, mit 32 Fotoseiten  € 20,- (D) | € 20,60 (A) | SFr 35,90 (CH) - ISBN 978-3-936086-47-8, lieferbar ab 22.2.2010


Weiterführende Beiträge unter:

http://www.google.de/search?client=firefox-a&rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&channel=s&hl=de&source=hp&q=verm%C3%BCllung+der+Meere++Plastik+Plastikm%C3%BCll+&meta=&btnG=Google-Suche (Beiträge zum Thema bei Google)

http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/chemie/gift_stoppen/gefaehrliche_stoffe/  (Gift im Alltag – hier verbirgt es sich)

Einige ergänzende Links

http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/chemie/chemie_und_gesundheit/bundschwerpunkte/bisphenol_a/babyschnuller/   (besonders Babyschnuller) 

http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/chemie/chemie_und_gesundheit/bundschwerpunkte/phthalate/ (besonders Phtalate - Weichmacher) 

http://www.bund.net/bundnet/themen_und_projekte/chemie/reach/  (REACH: Das neue Chemikaliengesetz für Europa)

http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/chemie/20100204_chemie_gefaehrliche_lieblinge_broschuere.pdf  (Gefährliche Lieblinge - Hormoncocktail in Plüsch und Plastik macht Kinder krank)

http://www.greenpeace.de/themen/meere/presseerklaerungen/artikel/ueber_eine_million_tiere_stirbt_jaehrlich_an_plastikmuell_im_meer/  (Pressemitteilung von Greenpeace zum Thema)

http://www.greenpeace.de/themen/meere/kampagnen/sos_weltmeer/tour/artikel/bortagebuch_zum_muellstrudel_im_nord_pazifik/  ( = Bordtagebuch Greenpeace: Zum Müllstrudel im Nord-Pazifik) 

                                 Hans Harress  2010