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Der Friedensnobelpreis 2009 geht an den

US-Präsidenten Barack Obama
 

Die Überraschung am 9. Oktober 2009 war perfekt. Es hatte niemand damit gerechnet, dass von den zahlreich vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten für den Friedensnobelpreis, es waren insgesamt 205 Nominierungen dieses Jahr, Barack Obama, seit einigen Monaten amtierender US-Präsident, vom Nobelpreis-Komitee in Oslo ausgewählt wurde. Er selbst, wie er spontan kommentierte, ebenfalls nicht.

Die Begründung des Nobelkomitees - (Wortlaut)

Der Vorsitzende des Osloer Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama am Freitag wie folgt begründet:

„Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis für seinen außergewöhnlichen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Das Komitee hat besonderes Gewicht auf seine Vision und seinen Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt. Obama hat als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. Multilaterale Diplomatie steht wieder im Mittelpunkt, mit besonderem Gewicht auf der Rolle, die die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen spielen. Dialog und Verhandlungen sind hier die bevorzugten Mittel, um auch die schwierigsten internationalen Konflikte zu lösen.

Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat auf kraftvolle Weise Verhandlungen um Abrüstung und Rüstungskontrolle neu belebt. Durch Obamas Initiativen spielen die USA jetzt eine konstruktivere Rolle zur Bewältigung der enormen Klima-Herausforderungen, mit denen die Welt konfrontiert ist.

Demokratie und Menschenrechte sollen gestärkt werden. Es geschieht selten, dass eine Person wie jetzt Obama die Aufmerksamkeit der Welt derart auf sich zieht und neue Hoffnungen auf eine bessere Zukunft entfacht. Seine Diplomatie fußt auf der Vorstellung, dass diejenigen, die die Welt führen sollen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden.

Über 108 Jahre hat das norwegische Nobelkomitee genau die Art von internationaler Politik und von Haltungen zu stärken versucht, für die Obama jetzt zum weltweit führenden Sprecher geworden ist. Das Komitee will sich hinter Obamas Appell stellen: „Now is the time for all of us to take our share of responsibility for a global response to global challenges.“ („Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle unseren Teil der Verantwortung für eine globale Antwort auf globale Herausforderungen übernehmen.“)     (dpa-Übersetzung)

Obamas Reaktion

Barack Obama schickte am Freitag per Mail den folgenden Brief an alle, die sich namentlich auf seiner Homepage registriert hatten:


Als Michelle und ich heute Morgen aufwachten, erhielten wir eine Nachricht, die uns überraschte und bescheiden werden ließ. Um 6 Uhr erfuhren wir, dass ich mit dem Friedensnobelpreis 2009 ausgezeichnet worden war. Um ehrlich zu sein, ich habe nicht das Gefühl, dass ich es verdient habe, in der Gesellschaft so vieler prägender Menschen zu sein, die mit diesem Preis geehrt wurden - Männer und Frauen, die mich und die ganze Welt inspiriert haben durch ihr mutiges Streben nach Frieden. Ich weiß aber auch, dass der Friedensnobelpreis im Laufe seiner Geschichte nicht nur dazu diente, bestimmte Leistungen zu honorieren, er wurde auch als Mittel eingesetzt, um einer Sache einen Impuls zu verleihen. Deshalb habe ich gesagt, dass ich diesen Preis als Ansporn betrachten werde, als Aufruf zum Handeln für alle Nationen und alle Völker, um die gemeinsamen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzunehmen. Nicht allen diesen Herausforderungen wird während meiner Präsidentschaft begegnet werden können, vielleicht nicht einmal zu meinen Lebzeiten.

Diese Auszeichnung - und der Aufruf zum Handeln, der damit verbunden ist - gehört nicht nur einfach mir oder meiner Regierung; sie gehört allen Menschen weltweit, die für Gerechtigkeit und für Frieden gekämpft haben. Und vor allem gehört sie Ihnen und den Männern und Frauen Amerikas, die gewagt haben zu hoffen und die so hart gearbeitet haben, um unsere Welt ein bisschen besser zu machen.

Deshalb widmen wir uns heute erneut und voller Demut der wichtigen Arbeit, die wir gemeinsam begonnen haben. Ich bin dankbar, dass Sie bislang auf diesem Weg hinter mir gestanden haben, und ich fühle mich geehrt, unsere entscheidende Arbeit in den kommenden Jahren fortzusetzen.

Vielen Dank

Präsident Barack Obama
 

Reaktionen auf die Preisverleihung

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama hat zu äußerst kontroversen Diskussionen geführt; seine treuen Anhänger und Befürworter, und selbstverständlich nahezu sämtliche führenden Staatsmänner und Frauen in aller Welt, begrüßten freudig und lobend seine Wahl, seine Gegner und zahlreiche andere kritisch denkenden Bürger äußerten hingegen ihre Befremdung zu der Entscheidung und begründeten ihre Meinung mit zahlreichen Argumenten. Schon im vergangenen Jahr, als die Wahl auf den Klimakämpfer Al Gore fiel (Natur&Heilen berichtete), wurde das Nobelkomitee deswegen heftig kritisiert. Es stellte sich heraus, dass Al Gore z.B. in seinem großen Privatanwesen gut 20mal mehr Energie verbraucht als ein Durchschnittshaushalt in den Vereinigten Staaten oder auch, weil sein aufwändig produzierter Film „Eine unbequeme Wahrheit“ über die drohende globale Klimakatastrophe so viele gravierende Fehler aufwies, dass er in englischen Schulen nur in korrigierte Version gezeigt werden durfte.

Kritiker werfen Obama u.a. vor, zahlreiche seiner Versprechen, die er vor seiner Wahl zum Präsidenten gegeben hatte, nicht gehalten zu haben. Unter dem Web-Link:

http://clipmarks.com/clipmark/196FDBF6-DD7C-4D85-9CCF-E1BF40620873/

kann man u.a. einige dieser massiven und sicherlich korrekten Vorwürfe lesen:

„Welche seiner Versprechungen hat Barack Obama bisher gehalten?

Die Kriege in Afghanistan und Irak werden weitergeführt. Die Armeen aufgestockt. Guantanamo wurde - entgegen seiner großspurigen Ankündigung - bis heute nicht geschlossen.

Der Iran wird von Obama mit ebenso gefälschten „Beweisen“ und Begründungen als Atommacht gebrandmarkt und mit Krieg bedroht, wie der Irak vom vorigen Präsidenten G.W. Bush mit nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen. Israel wird mit Unterstützung der USA ... zu einer überdimensionierten Atommacht aufgebläht. Und das, obwohl sich Israel weigert, den Atomwaffensperrvertrag zu unterschreiben...“

Auch hat Obama es bisher nicht geschafft, trotz Versprechen, alle Amerikaner krankenzuversichern. Abermillionen von Amerikanern können sich eine solche Absicherung finanziell nicht leisten und stehen vielfach vor dem Ruin durch enorm hohe Behandlungskosten.

Und die Presse kommentierte die Preisverleihung

Spontan reagierte auch die internationale Presse auf die Bekanntgabe, sowohl zustimmend als auch strikt ablehnend. Hier einige der Meldungen:

Internationale Presseschau zum Friedensnobelpreis

Von einer „Neuen Ära“ bis „Total lächerlich!“

Mit Skepsis, Begeisterung aber auch scharfer Kritik hat die internationale Presse auf die Verleihung des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama reagiert. Einig waren sich die Kommentatoren allerdings in einem: Die Auszeichnung an Obama kam für alle völlig überraschend.

„Potenzial, eine komplette Generation zu ändern“

„Obama ist ein würdiger Träger des Friedensnobelpreises“, schreibt die konservative norwegische Tageszeitung „Aftenposten“. Er habe „das Potenzial, die internationale Politik für eine komplette kommende Generation zu ändern“. Die Vergabe an ihn sei aber auch eine der gewagtesten in der Geschichte dieser Auszeichnung. Das Nobelkomitee gehe mit seiner Entscheidung ein erhebliches Risiko ein und werde dafür Kritik ernten.

Dagegen reagierte die niederländische Zeitung „de Volkskraant“ skeptischer“. Obama werde immer mehr Mühe haben, die an ihn gestellten hohen Erwartungen zu erfüllen, heißt es dort. „Seinen inspirierenden Worten über Frieden und Abrüstung stehen bislang kaum konkrete Resultate gegenüber. Was eigentlich eine Krönung sein sollte, könnte für Obama zu einer bleiernen Last werden.“

Und die französische Tageszeitung „Le Figaro“ glaubt, dass das Nobelpreiskomitee Obama „keinen Gefallen getan hat“. „Wenn dieser Preis noch irgendeinen einen Wert haben soll, dann kann er Obamas Aufgabe nur erschweren und ihn zu Handlungen zwingen, die ihn erpressbar machen können.“

„Das ist total lächerlich!“ ...

Noch deutlichere Kritik äußerte die polnische Zeitung „Gazeta Wyborcza“. Es sei wohl das erste Mal, dass der Nobelpreis an eine Persönlichkeit vergeben wurde, die noch nichts erreicht habe, sondern die erst noch etwas erreichen wolle. „Das ist total lächerlich.“

Kritisch äußert sich ebenfalls die britische Tageszeitung „The Times“. Diese Auszeichnung an Obama untergrabe die selbstlosen Erfolge vorheriger der Auszeichnung würdiger Preisträger, kritisiert das Blatt. In diesem Jahr, so die Zeitung, sei kein Friedensnobelpreis vergeben worden, sondern ein rein politischer Nobelpreis. Dies sei lediglich das sichtbare „Signal der europäischen Erleichterung über das Ende der Bush-Präsidentschaft“.

„Eine neue Ära der Nobelpreisvergabe“

Die konservative Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ schrieb, dass mit der Vergabe des Nobelpreises an Barack Obama eine neue Ära angebrochen sei und zwar die des „Nobelpreises aus Vertrauen“. Die diesjährige Entscheidung des Komitees sei einmalig, „weil Obama, trotz all seiner guten Absichten, die unseren Respekt verdienen, noch keine Gelegenheit gehabt hat, diese in die Tat umzusetzen. Wir wollen glauben, dass es sich um eine Ermutigung handelt, der wir uns anschließen.“

Die rechtsliberale dänische Tageszeitung „Jyllands Posten“ ernannte Obama zum „Dr. Feel-Good“. Man spiegele sich in ihm, höre seinen schönen Reden zu und hoffe auf eine immer besser werdende Welt. „Ein schwarzer Messias hat seinen Einzug gehalten. Obama ist eine Art globaler Psychotherapeut geworden, der uns allen gefühlsmäßige Erleichterung in einer brutalen und schwer überschaubaren Welt verschaffen soll.“

Die links-liberale ungarische Tageszeitung „Nepszabadsag“ sieht Obama dagegen in einer Tradition: „Die Preisträger vom vorvergangenen Jahr, Al Gore und der UN-Klimarat, haben das Problem der Erderwärmung auch nicht gelöst. Aber bis heute scheint es, dass sie globale Denk- und Handlungsmuster aufgezeigt haben, von denen man seither nicht mehr abweichen kann.“ Dies könne auch das wichtigste Resultat der Anerkennung für Obama werden. Er habe „viele Probleme neu gestellt, aber kaum welche gelöst“.


Das Komitee verteidigt sein Wahl

Nach der vielfach massiven Kritik am Osloer Nobelpreiskomitee nahm dieser vor der Presse dezidiert Stellung zu seiner Wahl. Der Vorsitzende des Osloer Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, hat die Verleihung des Friedensnobelpreises an den erst seit knapp neun Monaten amtierenden US-Präsidenten Barack Obama verteidigt.

Rechtfertigung des Osloer Nobelkomitees


Auf die Frage, ob das Komitee nicht eine „gewagte Entscheidung“ getroffen habe, sagte deren Sprecher Jagland: „Alles, was in der Welt seit Obamas Amtsantritt geschehen ist, und wie das internationale Klima sich geändert hat, ist mehr als genug, um zu sagen, dass er das erfüllt, was in Alfred Nobels Testament steht. Nämlich, dass der Preis an denjenigen gehen soll, der im vorausgegangenen Jahr am meisten für internationale Verbrüderung und Abrüstung sowie die Förderung von Kooperation und Dialog getan hat.“ Mit Blick auf die noch kurze Präsidentschaft Obamas meinte Jagland weiter: „Wenn man die Geschichte des Nobelpreises anschaut, dann haben wir bei vielen Gelegenheiten versucht, das zu stärken und zu fördern, was bestimmte Persönlichkeiten gerade durchzuführen versuchten. Zum Beispiel, als Willy Brandt den Preis 1971 bekam, hatte seine Ostpolitik in Europa gestartet, die so wichtig war für das, was dann viele Jahre später geschehen ist.


Oder die Vergabe 1990 an Michail Gorbatschow, der die Welt komplett verändert hat.“ Zu dem Vorwurf, das Komitee habe eine „populistische Entscheidung“ getroffen, meinte Jagland, der früherer norwegischer Regierungschef und Außenminister in sozialdemokratischen Regierungen war: „Wer das meint, der soll sich die Realitäten in der Welt vor Augen führen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“ Es habe positive Reaktionen aus Russland und China zu Obamas bisherigen Initiativen gegeben.
(dpa)

Einige Tage später stellte sich jedoch heraus, dass sich das Komitee bei der Wahl Obamas nicht einig gewesen war. Die Süddeutsche Zeitung, München, nahm dazu am 15.10.2009 wie folgt Stellung:

Obama-Kür sorgte für Streit im Nobelkomitee

Der Friedensnobelpreis für US-Präsident Obama wurde weltweit hitzig diskutiert. Auch das der Ein-stimmigkeit verpflichtete Komitee war sich bis zuletzt nicht einig.


In der ganzen Welt hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an US-Präsident Barack Obama Überra-schung, Kritik und Entrüstung ausgelöst. Der Tenor bei den Kritikern: Die Auszeichnung käme viel zu früh, Obama müsse sich erst bewähren. Außerdem führe der Präsident derzeit Krieg in zwei Ländern. Darüber hinaus sei der Preis für Obama mehr eine Bürde denn eine Hilfe bei seinem Vorhaben, einen neuen Umgangston in der internationalen Politik zu etablieren.
Nun gibt es Anzeichen, dass auch das fünfköpfige Osloer Nobelkomitee, das sich einstimmig für einen Preisträger entscheiden muss, so einig nicht gewesen ist. Offenbar hat es sich erst nach heftigem inter-nen Streit auf den US-Präsidenten Barack Obama geeinigt.


Die Osloer Zeitung Verdens Gang berichtete unter Berufung auf Kreise um die Jury, dass drei der fünf Mitglieder lange Zeit gegen die Vergabe des Preises an den US-Präsidenten gewesen seien. Das Komi-tee besteht aus fünf nach einem Parteienproporz ausgewählten Mitgliedern und wird vom sozialdemo-kratischen Ex-Ministerpräsidenten Thorbjörn Jagland geleitet. Nach Angaben des Osloer Blattes sollen die konservative Ex-Ministerin Kaci Kullmann Five, die Linkssozialistin Agot Valla und Inger Marie Yt-terhorn von der rechtspopulistischen Fortschrittspartei unterschiedliche Argumente gegen den Preis für Obama vorgebracht haben.


Ytterhorn hielt die Vergabe an Obama achteinhalb Monate nach dessen Amtsantritt im Weißen Haus für zu früh und zu riskant. Sie hatte am Vortag gegenüber US-Medien erklärt, dass Obama ihrem Eindruck nach nicht sehr froh über die Vergabe des Friedensnobelpreises gewesen sei.


Valla hatte vor allem wegen des von den USA geführten Krieges in Afghanistan Bedenken. "Ich hätte mehr Diskussion erwartet, vor allem in Bezug auf den Krieg in Afghanistan, den ich selbst problematisch finde", sagte die Politikerin der Zeitung Bergens Tidende. Öffentliche Äußerungen von Komiteemitglie-dern über den streng geheimen Entscheidungsprozess haben absoluten Seltenheitswert und sind ein Beleg, wie umstritten die Entscheidung gewesen sein muss.
Als treibende Kraft hinter der am Ende einstimmig gefassten Entscheidung gilt der Sozialdemokrat Jag-land, der dabei von seiner Parteikollegin Sissel Ronnebek unterstützt wurde. Er begründete die Vergabe an Obama damit, dass dieser die globale politische Grundstimmung in kurzer Zeit massiv in Richtung Dialog, Kooperation und Abrüstung verändert habe."

Quelle:  http://www.sueddeutsche.de/politik/688/491059/text/
 

Und wie reagiert der Nahe Osten auf Obamas Wahl?

Die Reaktion auf die überraschende Ankündigung, der Nobelpreis für Frieden 2009 gehe an Barack Obama, lautete in Nahost: „Viel zu früh“. Die Begründung: Nach all den vielfachen Erwartungen an den neuen US-Präsidenten hat sich hierzulande eine bittere Enttäuschung breitgemacht. Die Palästinenser beklagen vehement, dass es ihm, Obama, dem Hoffnungsträger aller Unterdrückten, im Nahost-Konflikt an nötigem Mumm und Nachdruck fehlt. Und die Israelis finden sich von Obama nicht genügend gemocht und vor allem nicht ernst genug beachtet.

Die US-Republikaner verspotten Obama


Auch in den USA ist ein heftiger politischer Streit um die Vergabe des Friedensnobelpreises an ihren Präsidenten Barack Obama ausgebrochen. Nach äußerst scharfer Kritik der Republikaner an der Entscheidung des Nobel-Komitees und Obamas Politik warf der Vorstand der Demokraten den Konservativen vor, sich mit religiösen Extremisten in ein Boot gesetzt zu haben. Die Parteiführung bezog sich dabei auf die radikalislamische Hamas und die afghanischen Taliban, die ebenfalls den Preis für Obama heftig kritisiert hatten. Eine Sprecherin der Republikaner wiederum warf den Demokraten „beschämendes“ Verhalten vor.

Ist Obama ein würdiger Friedensnobelpreisträger?

Die vielfach gestellte Frage lautet, ob der Preis für Obama nicht etwas zu früh kam und ob die Auszeichnung gerechtfertigt sei. Die eine Seite sagt: Ja, Obama hat den Preis durchaus verdient. Die Gegenseite erwidert: Das sei aber nach der Bush-Ära auch keine Kunst. Denn Obama habe bisher zwar schon viel angekündigt, aber noch wenig erreicht.


Ausblick

Die Hoffnung der Welt besteht darin, dass Barack Obama die Preisverleihung als Aufforderung versteht, seine selbstgesteckten Ziele, zum Beispiel sich vehement für den Frieden einzusetzen, den Hunger und die Wassernot zu bekämpfen und insbesondere eine weltweite Atomabrüstung zu bewirken, erreichen wird. Dazu ist er, obwohl der "mächtigste Mann der Welt", auf die Hilfe sehr vieler Wohlgesonnener und Gleichgesinnter angewiesen, die ebenso denken und handeln wollen wie er, sowie auch Menschen in aller Welt. Dann wird sich auch die Entscheidung des Osloer Komitees als richtig, weise und gut erwie-sen haben.  Obama erklärte vor der Presse spontan, dass er das Preisgeld in Höhe von gut einer Millionen Euro für wohltätige Zwecke stiften werde.
Zur Verleihung des Friedensnobelpreises am 10. Dezember will Obama nach Oslo reisen.

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Friedensnobelpreis 2011 für drei Frauenrechtlerinnen

 

Der Friedensnobelpreis 2011 wurde vom norwegischen Nobelpreis-Komitee in Oslo bewusst an drei Frauen vergeben. Als Begründung führte das Komitee u.a. aus: „Die Preisträgerinnen sind Vorkämpferinnen für Frauenrechte und Frieden in Afrika und Arabien“. Und der norwegische Komitee-Chef Thorbjørn Jagland sagte bei der Preisverleihung: „Wir haben ein wichtiges Signal in alle Welt gesendet, dass es ohne Einbeziehung der Frauen keine Demokratie und keine friedliche Entwicklung geben kann.“ In der islamischen Welt sei dies mit Sicherheit immer noch eines der wichtigsten Probleme. Der Preis wurde „für ihren unblutigen Kampf für die Sicherheit von Frauen und für ihr Recht, in vollem Umfang am Streben nach Frieden mitzuwirken“ verliehen, erklärte die weiter Jury. „Wir können nicht Demokratie erreichen und Frieden in der Welt herstellen, ohne dass Frauen dieselben Möglichkeiten haben wie Männer, die Gesellschaft auf allen Ebenen zu beeinflussen.“  

Die Namen der drei Preisträgerinnen sind: Die beiden Liberianerinnen Johnson-Sirleaf und Gbowee sowie die Jemenitin Karman.

Bisher waren von 100 Friedensnobelpreisträgern nur 15 weiblich. Jetzt wird der wichtigste Nobelpreis erstmals an drei Frauen vergeben. Das Komitee wollte bewusst damit ein deutliches Zeichen setzen, da immer noch in sehr vielen Ländern Frauen oftmals massiv unterdrückt werden, weniger Rechte haben und vielfach sogar als zweirangig oder gar als minderwertig gelten. In Indien werden immer wieder weibliche Babys getötet.

Der Friedensnobelpreis

Der Friedensnobelpreis gilt als die bedeutendste internationale Auszeichnung im Bemühen um eine friedlichere Welt. Stifter des Preises ist der schwedische Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament beauftragte er das norwegische Parlament, das Storting, jährlich bis zu drei Personen oder Organisationen für ihre Verdienste auszuzeichnen. Die Preisträger sollen „den besten oder größten Einsatz für Brüderlichkeit zwischen Staaten, für die Abschaffung oder Abrüstung von stehenden Heeren sowie für die Organisation und Förderung von Friedenskonferenzen“ gezeigt haben. Mit dem Friedensnobelpreis wird seit 1960 auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 der für Umwelt geehrt.    (dpa-Meldung)


Während andere Nobelpreise in der schwedischen Hauptstadt Stockholm vergeben werden, wird die Auszeichnung für Frieden in Oslo verliehen. Seit 1901 wählt dafür ein norwegisches Komitee aus oft mehr als 100 Vorschlägen die Geehrten aus. Die fünf Komitee-Mitglieder werden für sechs Jahre ernannt. Bei der feierlichen Verleihung am Todestag Nobels am 10. Dezember erhalten die Preisträgerinnen bzw. Preisträger in Oslo eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld von zehn Millionen schwedischen Kronen (knapp 1,1 Millionen Euro).

Die Ehrung für Frau Tawakkul Karman aus dem Jemen ist „ein besonderes Zeichen dafür, dass der arabische Frühling ohne die Beteiligung von Frauen nicht erfolgreich sein kann“, begründete der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees, Thorbjørn Jagland. Die 39-jährige Demokratie-Aktivistin Karman ist damit die erste Araberin, die einen Nobelpreis erhält. Sie steht nunmehr stellvertretend für Millionen Menschen, die in den arabischen Revolutionen für ihre Freiheit, Demokratie und Menschenrechte kämpfen. Die 32-jährige Mutter von drei Kindern ist Vorsitzende der Vereinigung „Journalistinnen ohne Ketten“ im Jemen und war eine der treibenden Kräfte bei den friedlichen Protesten gegen die Diktatur.

Preisträgerin Tawakkul Karman sagte in einer ersten Stellungnahme: "Ich bin sehr froh über diesen Preis. Ich widme ihn der revolutionären Jugend im Jemen und dem jemenitischen Volk." Der Auszeichnung sei eine hohe Ehre für alle Araber, Muslime und Frauen, sagte sie dem in Dubai ansässigen Fernsehsender al Arabia.

Die 39 Jahre alte Leymah Gbowee aus Liberia studierte in den USA am Eastern Mennonite University in Harrisonburg (Virginia), sie wurde 2004 in die Wahrheits- und Versöhnungskommission von Liberia berufen und 2006 Beraterin des „Women Peace and Security Network Africa“. Heute leitet sie diese Organisation. Als treibende Kraft half sie, dass der damals wohl grausamste und blutigste Bürgerkrieg der Welt in ihrer Heimat Liberia nach 14 Jahren beendet werden konnte. Danach setzte sie sich vor allem für die Versöhnung ein, so wie es vor ihr Nelson Mandela und Bischof Tutu in Südafrika getan hatten. Schon in ganz jungen Jahren arbeitete sie als Streetworkerin und versuchte mit großem Einsatz, den unzähligen vom Krieg gezeichneten liberianischen Kindern und Jugendlichen zu helfen, die als Kindersoldaten schwerstens unter den Folgen der Kriege litten. Frau Gbowee kommentierte die Ehrung: „Dieser Nobelpreis gehört allen afrikanischen Frauen.“

Die ebenfalls aus Liberia stammende Ellen Johnson-Sirleaf wurde 2005 zur Präsidentin Liberias gewählt, sie ist die erste demokratisch gewählte Staatschefin  Afrikas. Jahrzehntelang hat sie gewaltfrei gegen den Diktator Taylor gekämpft und schließlich mit friedlichen Mitteln gewonnen. Ihr Lebensmotto lautet: „Man darf nie aufgeben.“ Die heute 72-Jährige hat ebenfalls in den USA studiert, und zwar Wirtschaftswissenschaften und öffentliche Verwaltung, sie machte ihren Abschluss in Harvard 1971. Nach ihrer Rückkehr nach Monrovia wurde sie
Finanzministerin, musste aber 1980 vor einem Putsch ins kenianische Exil fliehen. Mitte der 80er-Jahre kehrte sie zurück, floh dann aber nach kurzer Haft erneut in die USA. In Washington war sie Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms für Afrika, dann ging sie zur Weltbank und kehrte schließlich in ihre Heimat zurück.

Zu den beiden Preisträgerinnen aus Liberia verwies der Vorsitzende Jagland auf die menschenunwürdige Unterdrückung von Frauen und Kindern in Kriegen, wie z.B. dem in Liberia, wo es systematische Vergewaltigungen und anderen Gräueltaten gab. Präsidentin Johnson-Sirleaf habe es „unter sehr, sehr schweren Bedingungen geschafft, die demokratische Entwicklung in Liberia am Leben zu erhalten“. In Liberia dominieren traditionell die Männer, Frauen haben hier schon immer einen niedrigeren Stand, und häusliche Gewalt und Missbrauch waren schon immer weit verbreitet. Schließlich gingen dann mit dem Bürgerkrieg die letzten sozialen Normen verloren, wobei als Beispiel etwa drei Viertel aller Frauen vergewaltigt wurden.  

Mit der diesjährigen Preisverleihung würdigt das Nobelpreiskomitee, dass in Afrika die Friedensarbeit immer mehr von Frauen, von Müttern und Großmüttern, getragen und vorangetrieben wird, während Männer in der Regel nach wie vor von Diktatoren fasziniert sind und sie unterstützen. Die drei ausgezeichneten Frauen stehen mitten in ihrem kämpferischen Leben. Es ist ein Preis für ihre mutiges Taten und eine Auszeichnung und Bestätigung gegen die Diktatoren dieser Welt. Selten hat das Nobelpreiskomitee so viel Anerkennung, Lob und auch Dank aus aller Welt erhalten wie 2011.


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