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für verschiedene Jahrgänge
 

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Weihnachtsspiel

 

für eine erste Klasse

 

 

von Hans Harress

 

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Hinweis:  Alle Lieder mit Noten und Liedtexten lassen sich an dieser Stelle nicht einbinden. Sie sind zu finden unter:

 

http://waldorfbuch.de/pdf/Weihnachtsspiel-1-Klasse_Harress.pdf

 

 

Personen - Darsteller - Spieler:

 

Engelchor

Maria

Joseph

Wirt

Ochs

Esel

Schafe

Vier Hirten

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Die ganze Kumpanei singt das Eingangslied während des Einzugs …

 

 Strophen 1 und 2: ...

 

Noten + Text siehe:   

http://waldorfbuch.de/pdf/Weihnachtsspiel-1-Klasse_Harress.pdf

(Die Noten lassen sich an dieser Stelle nicht einbinden)

 

3. Strophe:

Alle Engel sie begleiten auf die lange Erdenfahrt,

und mit Singen sie bereiten lautre Freud dem Kindelein zart.

In dem Stalle bei den Tieren, dort geschieht das Wunder groß,

wird gebor’n der Sohn Mariens, liegt auf Heu und Stroh er bloß.

 

4. Strophe

Von dem Felde kommen staunend, dieses Wunder hier zu schau’n,

schlichte Hirten, denen raunend Gottes Engel sprach im Traum.

Und mit Andacht knien sie nieder, preisen Gott für seine Tat,

singen frohe Dankeslieder für die große Gottesgnad’

 

[Strophen 1 und 2 von Karl Schubert, 3 und 4 von Hans Harress.]

 

 

Maria

 

O Joseph, kalt ist heut’ die Nacht,

das Wandern hat uns müd´ gemacht.

Geh, klopf dort bei dem Wirte an

und bitt’ um Herberg, lieber Mann.

 

Joseph

 

Gar schnell ich zu dem Wirt hinlauf,

gewiss nimmt er uns freundlich auf,

denn Gastfreundschaft ist hier die Sitt’,

erfüllen wird er unsre Bitt’.

 

Joseph klopft dreimal mit dem Stab auf die Erde und singt:

 

 

Wirt antwortet und singt: (Noten siehe)

http://waldorfbuch.de/pdf/Weihnachtsspiel-1-Klasse_Harress.pdf

Maria

 

O Joseph, klopf beim Nachbarn an,

vielleicht wird dort uns aufgetan.

 

Joseph klopft dreimal und singt: (Noten siehe)

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Wirt singt

 http://waldorfbuch.de/pdf/Weihnachtsspiel-1-Klasse_Harress.pdf

 

 

Wirt spricht

 

Im Haus hab' ich kein Kämmerlein;

doch wollt ihr in den Stall hinein,

so wohnt bei Ochs und Eselein.

 

Alle

 

Bind’ an den Ochs, das Eselein,

streu’ in die Krippe Heu hinein.

Ein Stern strahlt hell und wunderbar,

es jubiliert der Engel Schar.

 

Engel singen

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Maria

 

Lieber Joseph, ich dich bitt´,

bringe mir des Esels Kripp',

lege weiches Heu hinein,

so wird's Kindlein liegen fein.

 

Ochs, Esel und Schafe

 

Unser Kripp’lein ist zu hart

für das Kindlein, das so zart.

Morsch ist unser Stall und alt,

durch die Ritzen weht es kalt.

 

Engel singen

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2.

Mond und Sonne, voller Wonne, schauen auf das Kindlein,

das geborgen, ohne Sorgen, schlummert sanft im Krippelein.

 

3.

Und die Sterne aus der Ferne leuchten mild mit goldnem Schein

in die Hütte, auf die Krippe, auf das holde Jesulein.

 

4.

Hört es klingen! Englein singen, preisen Gott im höchsten Thron,

musizieren, jubilieren, lieben alle Gottes Sohn.

 

5.

Die drei Weisen geh’n auf Reisen, kommen aus dem Morgenland,

wandern gerne mit dem Sterne, bis beim Stall er stille stand.

 

6.

Wie sie staunen! Wie sie raunen, als sie fanden Gottes Kind,

das so ärmlich und erbärmlich ward gebor’n bei Ochs und Rind.

 

[Strophe 1 Tiroler Volkslied, Strophe 2 bis 6 - Hans Harress]

 

 

AUFTRITT DER HIRTEN

 

1. Hirt

 

Huh, Brüder, eiskalt ist die Nacht,

ich hab' euch Pelze mitgebracht.

 

2. Hirt

 

Hab' Dank, mein lieber Bruder mein,

der Pelz wird wärmen mich gar fein!

 

3. Hirt

 

Ich bin so müd’, geh’n wir zur Ruh,

mir fallen beide Augen zu.

 

4. Hirt

 

Sind alle Schafe in der Näh’? –

In dieser Nacht ich gar nichts seh’!

 

Schafe

 

Ei, Stichel, alle sind wir da,

kein Lämmlein fehlet aus der Schar.

Die Hunde uns beschützen gut,

sie sind allzeit auf ihrer Hut.

 

Die Hirten schlafen.

 

Engelchor singt

 

Vom Himmel hoch, da komm ich her,

ich bring euch gute, neue Mär,

der guten Mär bring ich so viel,

davon ich singen und sagen will.

 

Euch ist ein Kindlein heut gebor’n,

von einer Jungfrau auserkor’n,

ein Kindelein, so zart und fein,

das soll euer Freud und Wonne sein.

 

Es ist der Herr Christ, unser Gott,

der will euch führ'n aus aller Not,

er will eu’r Heiland selber sein,

von allen Sünden machen rein.

 

Engel sprechen

 

O Freude über Freud’,

ihr Hirten, hört ihr Leut’:

Geboren ist heut’ Jesu Christ,

der euer Heiland worden ist.

Nach Bethlehem geschwind

eilt schnell, dort liegt das Kind

in einem Krippelein

bei Ochs und Eselein.

Ihr Hirten, drum erwacht,

gar hell ist diese Nacht.

 

1., 2. und 3. Hirt  

 

He, Stichel, hast du's wohl vernommen?

Ein Engel ist vom Himmel kommen.

Nach Bethlehem wir sollen geh’n,

das neugeborne Kindlein seh’n.

 

4. Hirt (Stichel)

 

Was wollen wir dem Kinde schenken?

Ihr Brüder, lasst's uns wohl bedenken!

 

Alle Hirten

 

Wir schenken Milch und Wolle ihm.

Damit lasst uns zum Kinde zieh’n!

 

Hirten ziehen nach Bethlehem.

 

1. Hirt singt

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1. Hirt

Ich schenke dir ein wenig Woll’,

die Mutter dich drein legen soll.

 

2. Hirt

Ein Fläschchen Milch, das schenk ich dir,

’s ist wenig nur, verzeihe mir!

 

3. Hirt

Und ich bring dir ein Lämmlein klein.

 

4. Hirt

Das soll die Gab' von uns beiden sein.

 

Maria und Joseph

 

Ihr Hirten sollt bedanket sein,

weil ihr beschenkt das Kindelein.

 

Alle singen

 

Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all!

Zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall.

Und seht, was in dieser hochheiligen Nacht

der Vater im Himmel für Freude uns macht.

 

O seht in der Krippe im nächtlichen Stall:

Seht hier bei des Lichtleins hellglänzendem Strahl

in reinlichen Windeln das himmlische Kind,

viel schöner und holder, als Engel es sind.

 

Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh;

Maria und Joseph betrachten es froh.

Die redlichen Hirten knien betend davor;

hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.

 

Hirten

 

Mit Freuden wir's den Brüdern sagen,

was sich allhier hat zugetragen.

Ein großes Wunder wahrlich ist's,

dass heut gebor’n wurd’ Jesus Christ.

 

 

ENDE

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Alle Noten und weiteren Liedtexte, die sich hier leider nicht einbinden lassen, sind zu finden unter:

 

http://waldorfbuch.de/pdf/Weihnachtsspiel-1-Klasse_Harress.pdf

 

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Ritter Georg Spiel

 

(für eine 2. Klasse)

 (Legenden)

 

von Hans Harress


 

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PERSONEN

 

König

Königin

Prinzessin

3 Jungfrauen

6 Räte

4 Bürger

Wächter

Wachen

Heiliger

Soldaten

Engel

Michael

St. Georg

Volk

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König

 

Ihr lieben Räte und Bürger mein,

ich ließ euch rufen zum Schloss herein,

weil unserem Land droht große Gefahr,

die währet nun schon sieben Jahr.

Ein furchtbarer Drache, ein Ungeheuer,

kommt einmal im Jahr mit Pest und mit Feuer,

verödet die Felder, vernichtet die Saaten

und bringt allen Menschen viel Nöte und Plagen.

Das Jahr ist herum, er wird schon bald kommen,

was können wir tun, ja, was wird uns frommen?

 

4. Bürger

 

Bisher war er noch mit Schafen zufrieden,

die wir ihm ans Ufer des Meeres getrieben,

und die er mit großer Gier verschlang,

bevor er zerstörend ins Land eindrang.

 

1. Bürger

 

Doch ließ er uns wissen, in diesem Jahr

droht uns und der Stadt weit größ’re Gefahr!

 

König

 

Drum ratet mir gut, was ist nun zu tun,

wir dürfen jetzt keine Minute mehr ruh’n,

denn heute ist der Schreckenstag,

den er uns angedrohet hat!

 

1. Rat

 

Mein König, lasst das ganze Volk

den Göttern opfern rotes Gold,

damit sie schützen diese Stadt;

das ist, mein ich, ein guter Rat.

 

2.Rat

 

Wir haben oft schon im Gebet

zu unsren Göttern heiß gefleht, –

uns von der Plage zu befrei’n,

uns zu erlösen von der Pein.

Erst vor zwei Tagen haben wir

geopfert unsern besten Stier. –

Doch alles Opfern, Bitten, Fleh’n

ist bisher ganz umsonst gescheh’n.

 

1. Bürger

 

So ruf’ dein Heer, es soll mit Speer

und Schwertern sich bewaffnen,

und wenn das Tier erscheinet hier,

lass’ kämpfen deine Tapf’ren.

 

Soldaten

 

Herr König, folget diesem Rat,

wir sind dir all ergeben,

wir wollen tun die mut’ge Tat,

verlör’n wir auch das Leben.

 

3. Rat

 

Umsonst ist all der mut’ge Zorn

von Helden und von Rittern,

des Tieres Panzer ist von Horn,

die Lanzen dran zersplittern.

Kein Mensch vermag das Ungetüm

mit Waffen zu bezwingen,

es hilft kein Fechten, kämpfen, Müh’n,

ein Sieg wird nicht gelingen.

 

2. Bürger

 

Ganz sinnlos ist es, einen Kampf zu wagen,

wir müssen in Ohnmacht den Drachen ertragen,

bis Hilfe uns werden die Götter senden

und gnädig von uns die Not abwenden.

 

Wächter (kommt herbeigeeilt)

 

Ach Majestät, gestrenger Herr,

wir eilen von dem Meere her.

Soeben stieg – in großer Wut –

der Drache aus der tiefen Flut.

Vernichtet nun mit Gift und Feuer

die Felder, Häuser und auch Scheuer,

zerriss das Vieh, verschlang es all,

nichts hält ihn auf, kein Fluss, kein Wall!

 

König

 

Hat diese Not denn gar kein End? –

Zurück, ihr Wachen, eilt behend

und gebt scharf Obacht auf das Tier,

schnell meldet alles Neue mir! –

 

Wachen ab.

 

König

 

Ihr treuen Räte, ihr Soldaten,

wer kann in dieser Not jetzt raten?

Wir dürfen hier nicht weiter ruh’n!

Wer hilft und sagt, was ist zu tun?

 

3. Bürger

 

Mir träumte einst, o hört mich an,

vielleicht der Traum uns trösten kann:

 

Durch eine finstre Schlucht ich ritt,

als plötzlich dort mein Pferd ausglitt.

Ich stürzte schwer auf Felsgestein,

litt große Not und Schmerzenspein.

Doch nicht genug mit solcher Not,

sah vor mir furchtbar’ dreifachen Tod,

als wütend zischend auf mich drangen

drei giftige, scheußliche Riesenschlangen.

Schon hatt’ ich mein Leben ganz aufgegeben,

da sah in der Höhe ich etwas sich regen,

verbreitete einen hell-leuchtenden Schein,

es schien mir ein goldener Ritter zu sein.

Sogleich verschwand die Schlangenbrut –

und in meinem Herzen, da wuchs wieder Mut.

 

Wächter

 

Zu Hilfe, Herr König, ’s ist große Not,

der Drache, er wütet, schlägt alles tot.

Vom Turm unsrer Stadt, da können wir hören

sein Schnauben und Fauchen und furchtbar Zerstören,

und näher und näher kommt er gekrochen,

er hat ganz gewiss Menschenblut gerochen!

 

4. Rat

 

Herr König, versunken in tiefem Gebet,

ein heiliger Mann auf dem Berge dort lebt.

Von ihm erbittet euch heiligen Rat,

vielleicht weiß er uns die rettende Tat.

 

König

 

So gehet denn hin zu dem heiligen Mann

und fraget ihn, ob er uns Rat geben kann.

 

(Die Räte gehen zu dem heiligen Mann.)

 

4. Rat

 

O heiliger Mann, verzeihet mir,

 

5. Rat

 

das Land zerstört ein grässlich Tier.

 

6. Rat

 

Bisher war es gierig mit Tieren zufrieden,

jedoch von den Schafen sind keine verblieben.

Der Drache zerriss auch die Kühe und Stiere

und Pferde und Ochsen und all andre Tiere.

Nun fürchten wir sehr um das eigene Leben,

was können wir nur diesem Untier noch geben?

 

Heiliger

 

Des Drachens Gier und zerstörende Wut

wird nur besänftigt mit Menschenblut.

Eine Jungfrau hold, eine zarte Maid,

verlangt der Wurm zur Herbsteszeit.

Wird jedes Jahr dies Opfer gebracht,

so habt ihr Ruhe vor seiner Macht.

Kein anderes Mittel kann Hilfe gewähren,

der Drache wird sonst eure Stadt ganz zerstören

und mordend und sengend die Lande verbrennen;

andere Hilfe kann ich euch nicht nennen.

 

(Die Räte gehen)

 

5. Rat  (beim König)

 

Die Zähmung des Untieres ist uns nun bekannt,

sie hat uns der heilige Mann wohl genannt.

Doch fürchten wir sehr, sie hier auszusprechen,

sie ist ein gar schlimmes, gemeines Verbrechen.

 

Volk

 

Ihr müsst uns jetzt die Lösung sagen,

wie wir loskommen von den Plagen!

 

6. Rat

 

Der Drache kann nicht mehr beruhigt werden

mit Ochsen, mit Schafen, mit Rindern, mit Pferden.

Er fordert von uns – und das einmal im Jahr –

die lieblichste Jungfrau mit goldenem Haar.

Bekommt er sie nicht, so wehe uns allen,

dann wird er noch heut’ unsre Stadt überfallen

und töten uns alle, verbrennen die Stadt,

drum müssen wir dulden die gräuliche Tat.

 

Wächter

 

Zu Hilfe, zu Hilfe! Der Drache sich naht,

erreicht hat in Kürze das Tier unsre Stadt!

Schon nimmt uns sein Pesthauch den Odem zum Leben.

 

Volk

 

Wir müssen ihm jetzt eine Jungfrau geben!

 

(ohne Jungfrauen)

 

Es ist kein andrer Ausweg vorhanden –

sonst macht das Untier uns alle zu Schanden.

 

König

 

So soll denn das Los ganz gerecht nun entscheiden,

wer von uns’ren Jungfrau’n den Tod muss erleiden,

zu retten die Stadt und das Land aus der Not:

Zum Drachen muss gehen – wer ziehet das ROT!

 

Jungfrauen

 

So ziehen wir jetzt unser Schicksalslos:

 

1. Jungfrau (zieht ihr Los)

 

Ich zog ein weißes! Bin frei! Bin los!

 

2. Jungfrau

 

Ich hoffe, ich werde ein Gleiches tun –

möcht nicht im Bauche des Untiers ruh’n,

zieh’ ich ein weißes, die Götter ich preis.

 

(Zieht ihr Los)

 

Ihnen sei Dank! Mein Los ist weiß!

 

3. Jungfrau

 

Nur noch zwei Lose, eins weiß, eins rot,

das rote bedeutet den sicheren Tod.

 

(Zieht ihr Los)

 

Ein weißes, ich zog ein weißes Los!

die Götter sind edel, die Götter sind groß!

 

Prinzessin

 

O Jammer groß, mir ist’s zugefallen,

dass ich in die Klauen des Drachens muss fallen.

 

Volk

 

O weh, ihr ist der Tod bestimmt,

des Königs Tochter, sein einzig Kind.

 

Königin

 

Nicht meine Tochter, ich geb’ sie nicht her,

hier nehmet die Beutel von Golde so schwer.

Doch lasst mir mein Kind, mein Engel auf Erden,

sie darf nicht dem Drachen geopfert werden.

 

Volk

 

Das Los die Prinzessin traf in ehrlicher Wahl,

ihr Tod, der bedeutet uns allen viel Qual,

doch aus diesem Urteil der Götterwille spricht,

geschonet, gerettet kann sie werden nicht.

 

Prinzessin

 

Mein Schicksal ward mir im Voraus bestimmt,

drum grämt euch nicht um euer Kind.

Und wenn mein Tod euch Rettung verspricht,

so nehme ich gerne das Opfer auf mich.

Lasst mich den weißen Schleier umbinden,

damit will ich mir mein Haupt umwinden.

 

(Alle singen)

 

Lass mich ein Streiter Gottes sein …

 

(Ritter Georg tritt seitlich auf)

 

Georg

 

Ich reite durch die weite Welt,

man nennt mich Georg, Gottes Held.

Im Namen Christi, meines Herrn,

kämpf’ ich für alle Menschen gern,

die Gottes Hilfe sich erfleh’n,

wenn ihnen Unrecht ist gescheh’n,

wenn sie von Feindesmacht bedrängt

oder in Sklaverei gezwängt.

Mit manchem Untier hab ich gerungen

und es mit Michaels Hilfe bezwungen.

An diesem Orte will ich nun

nach langem Ritt ein wenig ruh’n.

 

(Er legt sich nieder)

 

einige Engel

 

Zur Erde nieder folgen wir,

du himmlischer Fürst, Michael, dir.

Aus Licht und Liebe ist dein Schwert,

damit hast du dich heut bewehrt,

um eine Jungfrau aus großer Not

zu retten vor dem sich’ren Tod.

 

Michael

 

Die mut’ge Tat soll Georg tun,

dort im Gebirg’ seh’ ich ihn ruhn:

Held Georg, tapfrer Gottesstreiter,

erwach, steh auf, und ziehe weiter…

 

(Georg erwacht)

 

… zum Meer hinab, zum Drachenstein,

zu retten eine Jungfrau rein.

Ein furchtbarer Drache will sie verschlingen,

das soll ihm aber nicht gelingen!

Erschlag’ das Untier, befrei’ die Stadt!

Die Plage nun ein Ende hat.

Es schützt mein Schild dich vor der Glut

und vor des Drachens gift’ger Wut.

 

(Michael überreicht Schild und Schwert)

 

Nimm hin mein Schwert und eil’ geschwind,

befrei’ des Königs einzig’ Kind!

 

Georg

 

Ja, Michael, lieb’ Herre mein,

ich will dein treuer Diener sein.

Ich eile fort ohn’ allen Verzug,

will fordern des giftigen Drachens Blut.

Hab’ Dank für den Schild und für das Schwert,

nun fühl’ ich mich sicher und gut bewehrt.

 

(er zieht los)

 

Hier ist der Ort, der Drachenstein,

dort sitzt das traurige Mägdelein,

versunken in Andacht und stillem Gebet;

so kam ich zeitig, kam nicht zu spät.

 

Ich grüße dich, du Jungfrau rein,

noch heute sollst du erlöset sein.

Ich bringe dir Hilfe und deinem Land,

bestehen will ich den Drachenkampf.

 

Prinzessin

 

Die Götter haben erhört mein Fleh’n! –

Doch sage, wie willst du den Kampf besteh’n?

 

Georg

 

Im Namen des Herren Jesus Christ,

der für uns alle gestorben ist,

will kämpfen ich und den Drachen besteh’n;

Michael hilft mir aus himmlischen Höh’n.

Ein Schwert und ein Schild hat er mir verlieh’n,

damit will ich jetzt in den Kampfe zieh’n. –

Schon naht dem Ufer das Untier sich –

ich greife es an – du, bete für mich.

 

(geht ab)

 

Prinzessin

 

O wenn du doch siegtest, du tapferer Held,

dann glaube auch ich an den Herrn der Welt,

an Jesus, den Christus, der für unsere Not

gestorben ist durch den gar schmählichsten Tod

und in dessen Namen du für mich hier kämpfst

und mit Gottes Hilfe das Böse jetzt dämpfst.

 

Doch sieh’, das Meer, es tobt und zischt,

ein scheußlicher Drache entsteigt der Gischt,

voll Ungeduld und blinder Wut

dürstet und giert er nach meinem Blut.

 

Jetzt stellt sich Georg ihm entgegen,

wie mutig er ist und wie verwegen!

Er ist fürwahr ein tapferer Held!

Jetzt mächtig den Speer gegen den Drachen er schnellt.

 

Da – tödlich getroffen versinkt der im Meer,

schließt seinen Rachen und atmet nicht mehr.

 

Volk  (aus der Ferne)

 

Hurra! Der Drache ist erschlagen,

ein großes Wunder ist gescheh’n.

Wer konnte diese Tat nur wagen

und lebend solchen Kampf besteh’n?

 

Georg  (kommt näher)

 

Mein Name Georg ist,

mein Herr heißt Jesus Christ,

ist Gottes eigner Sohn,

er stieg vom Himmelsthron

herab zu uns auf Erden,

um Mensch bei uns zu werden.

Er starb für unsre Sünden,

lasst solches euch verkünden.

Er half mir auch an dieser Stell’

durch seinen Engel Michael.

Geschützt hat mich das Kreuzeszeichen,

davor muss alles Böse weichen.

Eine neue Zeit hat angefangen;

die alten Götter sind vergangen!

 

König

 

O komme mit, du Gottesheld

und sprich uns mehr von Gottes Welt,

von seinem Sohne, deinem Herrn,

wir alle woll’n ihm folgen gern.

 

(sie singen)

 

O unbesiegter Gottesheld, St. Michael …

 

ENDE

 

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Das Spiel von Thors Hammer

 

für eine vierte Klasse

 (Germanische Mythologie)

 

von Hans Harress

 

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PERSONEN

 

Thor

Loki

Freya

Thrym

Heimdall

Wotan

Asen

Sprechchor

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C h o r

 

Gewalt’ges zu künden vom mutigen Kampfe,

von Asathors Reise ins Riesenreich Thryms,

den Hammer zu holen, die Riesen zu strafen,

erklinge mein Kampflied, dem Helden zur Ehr.

Voll Neid starrten Riesen nach himmlischen Höhen,

missgönnten den Göttern die lichtgoldnen Au’n,

sie drängten empor aus den finsteren Tiefen,

bedrohten die Asen mit roher Gewalt.

Nur Asathors Hammer ließ sie noch erzittern,

denn treu wachte Thor über Götter und Reich.

Doch ehe er’s wusste droht Unheil dem Treuen,

im Schlaf ihm geraubt wurd’ der Hammer bei Nacht.

 

Thor

 

Holla! He! – Mein Hammer nicht hier?

Gestohlen mein Mjöllnir? – Meineid’ger Schuft'.

Ja, bei meinem Barte, er soll es mir büßen,

der Mjöllnir entführte, wer es auch war!

Zerschmettern den schändlichen, schuftigen Schelm,

das will ich und werd’ ich, ja wüsste ich nur,

wer ihn mir entwendet, wer ihn mir entführt.

 

Loki

 

Was tosest du, Thor, was tobst du herum?

Lief dir eine Laus wohl über die Leber?

 

Thor

 

Loki, du Listiger, lausche und schweig;

Was ich dir sag, du hörtest es nie!

Mjöllnir, mein Hammer, er wurd’ mir gestohlen!

Sinne und sage, du listiger Ase,

wer ist’s gewesen? – Wo ist er jetzt?

 

Loki

 

Das konnten nur tun die Feinde der Asen,

die Riesen aus Thryms Thursengeschlecht.

Lass laufen zu Freya uns – fragen wir sie,

ob sie mir ihr Federkleid leihe zum Flug.

Mjöllnir den Hammer fände ich bald.

 

Chor

 

Sie gingen zum herrlichen Hause der Freya,

dort hoch in der Halle die Holde hehr saß,

und sprachen zur Edlen die bittenden Worte.

 

Thor

 

Willst, Freya, du uns heut’ dein Federkleid leihen?

Ein Riese hat mir meinen Hammer geraubt.

Lass’ Loki, den Listigen, schnell damit fliegen,

dass er uns erkunde, wo Mjöllnir versteckt.

 

Freya

 

Will gern es euch geben, und wär’ es von Golde,

würd’ geben es auch wär’s von Silber gewirkt,

denn Unheil droht Asgard, hat Thor nicht den Hammer,

die Joten, die Thursen, vertrieben uns all.

 

Chor

 

Schnell schlüpfte der Schlaue in Freyas Gefieder,

rasch flog damit Loki zum Riesengeschlecht.

Dort traf er auf Thrym, den Fürsten der Thursen,

der schmückte die Hunde mit gold’nem Geschmeid.

 

Thrym

 

Welch seltener Gast besucht heut’ die Thursen?

Ist’s Loki, der Asen listiger Gott?

So sage mir Loki, wie geht es den Asen?

Sind alle zufrieden auf seliger Höh?

 

Loki

 

Schlimm geht es den Asen, schlecht geht es auch Thor,

seit Mjöllnir, der Hammer, wurd’ heimlich geraubt.

Hältst du etwa Mjöllnir, Thors Hammer verborgen?

Hast du ihn bei dir? – Verbirg es mir nicht!

Denn schrecklich schnaubt Thor – will rächen den Frevel,

Im Zorn will zerschmettern er’s Thursengeschlecht.

 

Thrym

 

Du hast es erraten, ich halte den Hammer,

acht Klafter tief ist er im Erdreich vergraben.

So kann ich nur lachen ob Thors lautem Toben,

ein Nichts ist er, wenn er den Hammer nicht hat! –

Doch der könnt’ von mir den Hammer erlangen,

wer Freya mir brächte als liebliche Braut.

 

Chor

 

Zurück flog da Loki, so schnell er nur konnte,

berichtet den Göttern vom Wunsche des Thursen.

Wie bleich wurde Freya, die holdsel’ge Göttin,

wie zornig bebt Thor in schäumender Wut.

 

Thor

 

Hätt’ ich nur den Hammer, ich rächte den Frevel!

Was ratet ihr Asen? Was sollen wir tun?

 

Chor

 

Die Götter berieten, wie sie es erreichten,

den Hammer zu holen, doch Freya zu halten.

 

Heimdall

 

Ich rate dir, Thor, was einzig uns nützte,

und wie wir den Hammer gewönnen zurück

Ins bräutliche Linnen musst du dich fein kleiden

und schmücken dich dann mit schimmerndem Schmuck.

Auch hülle ums Haupt dir gar zierliche Schleier.

Fährst du so als Freya, als Braut zu den Riesen,

so dürften wir täuschen die traumdumpfe Schar.

 

Chor

 

Was tobte und toste der Asathor jetzt.

Ein schmuckes Weib er? – Wie schämte er sich!

Doch listig sprach Loki zum rasenden Asen.

 

Loki

 

Willst du deinen Hammer, so höre auf Heimdall,

ich werd’ auf der Fahrt dich begleiten als Magd.

 

Wotan

 

Sohn Heimdall riet recht, auch ich rat’ zur Sanftmut,

betöre die Thursen mit Klugheit und List.

 

Chor

 

Nun Asathor nickte und zähmte den Zorn

und wurde geschmückt als die zierlichste Braut.

Bald waren die Böcke vom Berge getrieben,

gespannt vor den Wagen mit Loki und Thor.

Die Felsen zerbrachen und Funken aufstoben,

so reisten sie rasend ins Riesenreich Thryms.

 

Thrym

 

Rasch, rasch, meine Riesen, bestreuet mit Blumen

die Bänke, den Boden, den festlichen Saal,

es nahet von ferne die feinste der Frauen,

’s ist Freya, die wonnigste, bräutliche Braut.

 

Chor

 

Wie freute sich Thrym, er merkt’ nicht den Trug,

ließ richten die Tafeln mit Speisen und Trank,

bald saßen sie alle an festlichen Tischen,

genossen der köstlichen Speisen gar viele,

es kreisten die Krüge mit Met frisch gefüllet,

gar lustig und heiter die Feier begann.

Doch Thor, er vergaß sich, gewohnt viel zu essen,

verzehrt ohne Zagen einen Ochsen allein,

vertilgt dann acht Lachse, verschlang alles Backwerk,

ließ folgen drei Fässer des köstlichen Mets.

 

Thrym

 

Noch nie sah ich Bräute so vieles verschlingen!

Auch nie mehr des Mets ein Weib mir je trank!

 

Loki

 

Das wär’ dir verständlich, wenn, Thurse, du wüsstest,

dass Freya, die Braut, seit acht Nächten nichts aß,

so plagte die Sehnsucht sie, zu dir zu kommen,

nur deshalb ihr Hunger, nur deshalb ihr Durst.

 

Chor

 

Nun wurde Thrym lustig und wollte gern wissen,

wie Freyas Gesicht ohne Schleier aussah.

Auch lüstete ihn, ihre Lippen zu küssen,

drum hob er ihn hoch – und erstarrte sogleich.

Denn furchtbare Blicke bedrohten den Thursen,

der prallte zurück vor Schrecken und Not.

 

Thrym

 

Nie sah ich zwei Augen so fürchterlich funkeln!

Wie feurige Flammen verzehrten sie mich!

 

Loki

 

Auch das ist verständlich, denn wisse, mein König,

so groß ist die Sehnsucht von Freya nach dir!

 

Thrym

 

So lasst ohn’ Verzug uns schließen die Ehe,

dazu bringt die Hochzeitsgeschenke herein,

holt Mjöllnir, den Hammer, hervor aus den Tiefen,

und legt ihn der Braut in den Schoß dann sogleich.

 

Chor

 

Gleich rennen drei Riesen, den Hammer zu holen,

sie schleppen ihn keuchend und mühsam herbei,

und legen ihn keuchend der Braut in den Schoss.

 

Wie freut sich da Thor! Wie lacht da sein Herz!

Fest greift er den Hammer mit eisernem Griff,

reißt ab seinen Schleier und schwingt den Zermalmer.

 

Thor

 

Gefällt dir  d i e  Braut, du törichter Thurse?

Vermessener Riese, die Rache ist da!

Sieh, Mjöllnir, mein Hammer, ich halt ihn in Händen,

zerschmettert den Schädel dir, treuloser Dieb!

 

Chor

 

Wie wütet nun Asathor mit seinem Hammer,

verschont keinen Riesen vom Thursengeschlecht;

es zucken die Blitze, es rollen die Donner,

bis niemand mehr lebt, bis alle vernichtet.

 

Thor

 

Gerächt ist die Untat, erfüllt ist mein Wille!

Komm, Loki, wir künden den Göttern die Tat!

 

Chor

 

So eilten sie heimwärts. Die Böcke, sie stoben

in wildester Fahrt über Felsen und Meer.

Sie wurden in Asgard laut jubelnd empfangen,

die himmlischen Asen, sie freuten sich sehr!

 

Asen

 

Willkommen hier, Thor, du „herrlichste Braut“!

Du holtest heut’ Mjöllnir den Hammer zurück,

zu schützen uns Asen vor schändlichen Riesen,

willkommen, du Edler, willkommen, du Held!

 

E N D E


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Reineke Fuchs

 

Spiel für eine 2. Klasse

 

von Hans Harress

 

 

PERSONEN

 

Volk

Löwe

Hase

Bär

Wolf

Häher

Hahn

Bock

Kater

Dachs

Rabe

Krähe

Löwin

Widder

Fuchs

Engel

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Eingangslied

 

Die Noten für das Lied lassen sich an dieser Stelle leider nicht einbinden. Sie sind zu finden unter:

 

 http://waldorfbuch.de/pdf/Reineke-Fuchs_Harress.pdf  

 

1. 

O Reineke, du schlimmer Mann, was richtest du für Unheil an?

Verspottest alle und betrügst,

sogar den König du belügst.

O Reineke, du schlimmer Mann, kein gutes End’ das nehmen kann.

 

2. 

O Reineke, du schlimmer Mann, was richtest du für Unheil an?

Du schonst kein Tier, verführest viel’,

Betrug und Bosheit sind dein Ziel.

O Reineke, du schlimmer Mann, kein gutes End’ das nehmen kann.

 

3.  

O Reineke, du schlimmer Mann, was richtest du für Unheil an?

Betrogst denn Hahn, den Wolf, den Bär,

den Bock, den Has und viele mehr.

O Reineke, du schlimmer Mann, kein gutes End’ das nehmen kann.

                                                                                                          Löwe ab…

 

 

 

Prolog

 

alle,  außer Fuchs, Löwe, Löwin, Dachs

 

Geboten hat Nobel der König den Frieden!

Kein Tier darf im Reiche ein andres bekriegen.

So leben wir ruhig in Glück und mit Segen,

wir preisen den König, mög’ lange er leben!

 

Zwar gütig tat Nobel und achtet das Recht,

doch wer seinen Zorn reizt, dem gehet es schlecht!

 

So halten sich alle an Nobels Gebote, –

nur einer nicht, Reineke Fuchs, der Rote.

Er sann list’ge Streiche und Sünden sich aus

und tötet’ – trotz Friedens – viel Tiere, o Graus.

Von seinen Schandtaten, den Streichen und Sünden

und von seinen Listen soll unser Spiel künden.

 

Löwe brüllt

 

Ich, Nobel, der König, will sitzen und richten,

will hören die Klagen, den Streit hernach schlichten,

denn heute ist Richttag für Groß und für Klein.

Gerechtigkeit herrsche im Reiche hier mein!

Du, Bote, Has’ Lampe, ruf’ alle herbei

die Räte, den Hofstaat, das Volk ohne Weil!

Löwe ab.

 

Hase

 

Zu Diensten, Herr König, ich eile geschwinde,

ich rufe den Hofstaat, Barone, Gesinde.

 

Oh! Heute ist endlich der Rachetag,

der Fuchs muss erscheinen von Malepart.

Geholt wird der Schelm von Bellyn, dem Widder,

das ist ein sehr mutiger, tapferer Ritter.

 

Hase läutet Glocke.

 

Der König befiehlt allem Volke und Rat

zu Hofe zu eilen, zum Richtetag!

Drum, wer eine Klage hat, bringe sie vor,

der König will öffnen ihm gnädig sein Ohr.

Erscheinen muss Reineke heute persönlich,

Gericht wird gehalten von unserem König.

 

Volk

 

Hurra! Hurra! Nun ist es so weit,

es gibt also doch noch Gerechtigkeit.

Wir wollen vorm König und seinen Legaten

anklagen des Fuchses schändliche Taten!

 

Bär und Wolf

 

Wir sind alle beide des Königs Barone,

wir dürfen ihm raten hier an seinem Throne,

er schätzt unsre Klugheit und unsern Verstand,

was wir beide raten, hat Fuß und hat Hand!

Wir sehen, dass alle versammelt hier sind;

das melde du, Markart, dem König geschwind!

 

Häher ab, holt Löwe und Löwin.

 

Volk

 

Wir grüßen dich alle, Herr König, Herr Nobel,

und dich, schöne Königin, in deinem Zobel.

Gott schenk’ euch ein langes und glückliches Leben

und möge euch beiden viel Kinder auch geben.

 

Löwe

 

Wir danken euch für eure Worte.

Sind alle erschienen hier am Orte?

 

Häher

 

Ich, Markart, der Häher, ich melde jetzt dir,

versammelt ist alles getreue Getier.

Es kamen heut’ alle, die du hierher riefst,

ergeben sie warten, wie du es nun siehst.

Nur einer fern heute dem Orte hier blieb,

der Schuft und der Mörder, der Strolch und der Dieb!

Zur Burg Malepartus, hin zu seiner Feste,

ward’ Bellyn gesandt, denn er ist klar der Beste,

zusammen lief er mit dem schnellen Luchs,

zu holen heut’ Reineke, den bösen Fuchs.

Doch blieb dieser Freche fern, o große Schmach,

und so dir den Treueschwur heut schmählich brach.

 

Löwe

 

Das ist ein Zeichen seiner Schuld,

verloren hat er meine Huld!

Gar viele Klagen musst’ ich hören,

von Mord, Verrat, von falschem Schwören,

man klagt auch über List und Trug.

Nun sind der Schandtaten genug!

Wer eine Klage hat, soll sprechen,

ist er im Recht, will ich ihn rächen!

 

Hahn

 

Ich, Henning, der Hahn, ich habe zu klagen,

denn Reineke Fuchs hat mein Weib mir erschlagen.

Voll List und voll Tücke lockt’ er mit Genuss

die Kinder mir fort und auch Frau Kratzefuß.

Das Blut mir schier stockte, was danach geschah,

denn Reineke mordete die ganze Schar.

 

Volk

 

Oh, wehe! Du Armer! Du Mann von Ehre,

das war ein Verbrechen besonderer Schwere.

Missachtet hat wieder der Freche den Frieden,

geboten vom König, den wir alle lieben.

 

Bock

 

Der Hahn mag nur klagen, hört Hermen den Bock,

wie einst mir der List’ge versetzt’ einen Schock:

Im Brunnen gefangen, saß jüngst er tief unten,

ich hätte vom Wasser auch gerne getrunken.

Ich traute dem Worte, das listig er sprach,

und sprang ohn’ Bedenken hinunter ihm nach.

Und als ich getrunken, wollt’ ich dann zurück,

doch hatt’ ich mit mächtigsten Sprüngen kein Glück,

der Rand war zu hoch, gefangen wir zwei,

da sagte der Fuchs, er mache uns frei.

Er schwor, mich zu retten, wenn ihm es gelänge

zu fassen dort oben des Brunnens Gestänge.

So stemmte die Füße ich fest hoch zur Wand,

vom Kopfe dem Fuchs nun der Sprung raus gelang.

Doch statt mich zu retten, wie er es geschworen,

nannt’ er einen Dummkopf mich und einen Toren

und ließ mich ohn’ Hoffnung im Brunnen zurück;

dass ich noch entkommen, das war großes Glück!

 

Volk

 

Auch dafür muss Reineke Fuchs uns schwer büßen,

soll kopfüber hängen an seinen vier Füßen!

 

Kater

 

Ich bin Hinze, euch bekannt,

lange war ich Adjutant.
Fremd war’n Sorgen mir und Not,

bis der Fuchs mir Freundschaft bot.

Er versprach mir Mäuse viel,

führte mich auch gleich ans Ziel,

eine Scheune auf dem Land,

darin sich ein Loch befand.

Gleich dahinter, schwor der Rote,

dieser falsche Friedensbote,

wohne so gar manche Maus.

Gierig sprang ich in das Haus,

ohn’ mich vorher zu bedenken.

Fluch dem Fuchse! Er soll hängen!

Denn, o weh! ich ward gefangen,

tat in einer Schlinge hangen

mit dem Kopf voran, o Graus,

und der Rotfuchs lacht’ mich aus.

Und begann ein Mordsgeschrei,

lockt’ den Bauern so herbei.

Durch die Prügel ich verlor

hier mein Auge, o ich Tor!

 

Volk

 

Tod dem Fuchs! Nun ist’s genug!

Schande ihm und seiner Brut.

Richte ihn mit aller Strenge,

dass am höchsten Baum er hänge!

 

Dachs

 

Herr König, ich bitte, erlaubt mir zu sprechen,

so viele hier wollen den Vetter mir rächen;

so wahr ich der Dachs namens Grimbart bin,

ich kann Reinhards Taten nicht finden so schlimm.

Er muss sich oft wehren, ich weiß es genau,

jüngst drohte der Wolf ihm vor seinem Bau.

Der Fuchs musste ihm die vier Hühner besorgen,

sonst wollte ihn Isegrim sogleich ermorden.

Und wenn dieser dumme Bock Hermen nicht sah,

dass zu tief der Brunnen, war’s recht, was geschah.

Der Kater, Herr Hinze, die Mäuse wollt’ morden,

recht tat ihm der Bauer die Prügel besorgen!

 

Löwe

 

So ganz hat Grimbart Unrecht nicht.

Wer führt noch Klage? Tritt vor und sprich!

 

Rabe

 

Einst wurd’ ein frischer Käse mir zuteil,

und ich begann mit Lust ihn zu verzehren,

da strich der Fuchs von fern herbei mit Eil

und überschüttet mich mit tausend Ehren,

preist mein Gefieder paradiesisch bunt,

nennt einen Adler mich, in allen Ehren,

und tat zum Schluss einen Wunsch noch kund

ich konnte ihm diesen doch nicht gut verwehren.

Er wollte meinen Kunstgesang genießen,

so öffnete den Mund ich zum Gesang

der Käse entfiel mir, gerade ihm zu Füßen,

und lachend schnappt’ der Rotfuchs seinen Fang.

Er fraß ihn auf, und das vor meinen Augen,

bedankte sich mit ätzend’ Hohn und Spott;

wie kann ich an Gerechtigkeit noch glauben?

 

Volk

 

Ein solcher Dieb gehört auf das Schafott!

 

Krähe

 

Ich bin die Krähe Merkenau.

Mit Scharfenebbe, meiner Frau,

ging ich spazieren gestern früh,

da sah am Wegesrande sie

den Rotfuchs liegen - wie für tot,

denn seine Zunge, schwer und rot

hing seitlich ihm zum Maul heraus.

Wir wollten tragen ihn nach Haus

zu seiner Witwe Ermelyn,

hatten schon alles ihm verziehn.

Als meine Frau zum Maul ihm trat:

Wisst ihr, was da der Rotfuchs tat?

Er war mit einem Male munter

und riss ihr - ach - den Kopf herunter,

verzehrte sie vor meinen Augen!

Ich kann es immer noch nicht glauben.

 

Volk

 

Wir fordern nun alle des Fuchses Blut,

wir hörten der Schandtaten schon genug!

 

Löwin

 

Wo bleibt der Schelm, der Angeklagte?

Dass er den Gang hierher nicht wagte,

es offenbart sein schlecht’ Gewissen,

wie schlimm er ist und wie gerissen.

Das hätte ich nun nicht gedacht,

dass er daheim blieb und nun lacht!

 

Wolf

 

Gewährt auch Isegrim das Wort,

ich setze hier das Klagen fort.

Schaut meinen Stummelschwanz nur an:

Das hat der Fuchs mir angetan!

Im Winter, in der größten Not,

ich war vor Hunger fast schon tot,

lief Reineke am Haus vorbei

und sprach, er wüsst’, wo Futter sei.

Zeigt mir ein Dutzend Fische dann,

die man, sprach er, leicht fangen kann.

Sie sahen gar zu lecker aus!

Damit lockt’ er mich aus dem Haus

und ging mit mir zu einem Teich

und meint, das Angeln sei ganz leicht.

Er hieß mich meinen busch’gen Schwanz

tief in ein Eisloch senken ganz

und, damit recht viel Fische beißen,

den Schwanz ja nicht zu früh rausreißen.

Du brauchst, mein Freund, Geduld, sprach er,

du merkst es schon, wenn der Fang wird schwer,

dann musst du schnell mit aller Macht

den Fang rauszieh’n mit großer Kraft.

Ich glaubte ihm, ich armer Tor,

Doch was geschah? - Mein Schweif gefror!

Ich ließ im Eise ihn zurück,

entkam nur knapp dem Tod mit Glück.

 

Volk

 

So lasset uns alle zum Fuchse hinziehn,

belagern die Feste, er kann nicht entfliehn!

 

Dachs

 

Das ist nicht mehr nötig, zum Tore seht, dort!

Mein Vetter ist kommen, denn er hielt sein Wort.

 

Widder

 

Hier bringe ich Reineke von Malepart,

benahm sich sehr spöttisch, wie es seine Art.

Verhöhnte euch alle und mich sehr gemein,

ich stimme dafür, man sperre ihn ein!

 

Löwe

 

Wo bliebst du, Schlingel, schlimmer Mann,

du ließ’t mich warten, stundenlang!

Es gab der bösen Klagen viel:

Der Galgen sei heute nun dein Ziel!

Doch sage mir, bist du gescheit,

was soll der Mummenschanz, dies Kleid?

 

Fuchs im Büßergewand

 

Hochedler Fürst, o Majestät,

verzeihet mir, dass ich kam spät.

Den Grund will ich sogleich dir sagen,

verstehen wirst du mein Betragen.

 

Ein Sünder wurd’ ich oft genannt,

ich hab' mich selbst dazu bekannt;

von Reue strömt mein Herz mir über,

mein Ziel war Rom am Flusse Tiber,

um abzubüßen meine Taten,

so hat’s der Bischof mir geraten.

Ich hoffe, dass an diesem Ort

mir wird vergeben jener Mord

an Hennings Hennen, die ich fing,

gezwungen von Herrn Isegrim!

Und dann auch alle jene Sachen,

die vielen hier Kopfschmerzen machen.

Alsdann will ich als Mönch hier leben,

das ist mein Wunsch und mein Bestreben.

 

Bär

 

Man glaube ihm nicht ein einziges Wort,

gelogen ist alles an diesem Ort.

Wer kennt nicht die Listen und Tücken und Lügen,

auch jetzt will er wieder uns alle betrügen.

Drum höret, ich bitt’ euch, die meinigen Klagen:

Nicht lang ist es her, erst vor wenigen Tagen,

da führte mich Reineke - Fluch diesem Mann!

zu einem gespaltenen Eichenbaumstamm.

Viel köstlichen Honig gäb’s unten im Spalt -

so lockte der Falsche mich tief in den Wald.

Ich konnt’s kaum erwarten, vom Honig zu schlecken,

tat Tatzen und Kopf in den Baum sogleich stecken.

Da schlug nun der Fuchs mit dem eisernen Beil

heraus aus der Spalte den haltenden Keil.

Jetzt war ich gefangen mit Ohren und Tatzen,

und hinter mir fing nun der Fuchs an zu schwatzen.

Verhöhnte mich bitter, beschämte mich tief,

sodann er zum Bauern Herrn Rüsteviel lief.

Der kam schnell gelaufen mit all seinen Leuten,

o wie sie mit Knüppeln den Rücken mir bläuten!

Ich wünschte mir nur noch den baldigen Tod,

so groß und entsetzlich war hier meine Not.

Ich weiß nicht genau, wie ich endlich kam fort,

ließ Tatzen und Ohren zurück an dem Ort.

 

Volk

 

So sprechet das Urteil, es gibt kein Vergeben,

dem schändlichsten Wicht woll’n wir nehmen das Leben!

Es hat schon der Kater das Seil in der Hand.

 

Löwe

 

 Er sterbe den schmählichsten Tode am Strang!

 

Kater legt ihm ein Seil um den Hals.

 

Volk

 

Hurra! Nun kann er niemand mehr schaden

und keiner wird Anlass zur Klage mehr haben.

Befreit sind wir alle von diesem Betrüger,

vom elenden Erzschelm, von diesem Belüger.

O haltet ihn fest und dann bindet ihn,

und lasset uns alle zur Richtstätte ziehn.

 

Fuchs mit dem Seil um den Hals

 

So muss es denn sein, dahin meine Ehre,

doch bitte vorm Tod ich noch einmal Gehöre;

es wäre gar schlimm, wenn ich ihn hier verschwieg,

den goldenen Schatz, der vergraben dort liegt.

Den ich deinen Feinden einst raubte gar fein,

er sollte, o König, dein Eigentum sein.

Man wollte damit einen Aufstand bezahlen,

so hörte persönlich den Widder ich prahlen,

auch Braun dort, der Bär, war damals dabei,

als sie planten Aufruhr und auch Meuterei.

Doch als sie verloren das Gold, die Juwelen,

die ich ihnen rechtzeitig konnte noch stehlen,

da mussten sie alle Soldaten entlassen,

denn leer waren nun ihre Söldnerkassen.

So rettete ich dich vor Tod, Schmach und Pein.

Doch wie zahlst du mir meine Freundschaft nun heim? –

 

Löwe

 

Man sperre gleich den Widder ein,

er soll noch heut’ des Todes sein!

Und auch den Bären man nicht schon’,

er ist nicht länger mehr Baron!

Den Fuchs löst los, denn er ist frei,

mein erster Rat er wieder sei!

Ich schätzte immer schon den Rat,

den Reineke in Not mir gab.

Nun ist mir manches klar geworden:

Zuerst verleumden, dann mich morden!

Komm’ her zu mir, empfang den Lohn!

Ab heute bist du erster Baron.

hängt ihm Orden um.

 

zu den Anwesenden – außer dem Fuchs

 

Verlasset alle diesen Ort,

von weit’ren Klagen mehr kein Wort!

 

zum Fuchs

 

Und lass’ uns gleich vom Schatze reden,

wie groß er ist und wo zu heben.

 

geht ab.

 

Fuchs - allein zurückbleibend

 

Wie leicht sind jene zu betören,

sie brauchen nur von Gold zu hören,

schon fressen sie dir aus der Hand.

Und deutest du auf’ ferne Ziel,

versprichst gar alles, hältst nicht viel,

so nütztest gut du den Verstand!

Fast tun sie einem leid, die Toren,

wozu nur wurden sie geboren?

Damit ich sie betrügen kann!

Auf denn, der König ist schon mein,

soll mir ergebner Diener sein.

Ja, wer betrügt, das ist ein Mann!

 

Engel

 

Betrüger du, hast dich betrogen,

ein Lügner ist stets selbst belogen!

Was nützet dir all deine List,

die nur Verstand des Bösen ist?

Glaubst du, du könntest unerkannt

herumreisen durch Stadt und Land?

 

Fuchs nickt.

 

So wisse, dass man solche Diebe

erkennt am Mangel ihrer Liebe.

Und dann, gib’s zu, betrogner Tor,

was du vermisst, das ist Humor.

Auch hat ein solcher Bösewicht

kein helles Leuchten im Gesicht.

Kannst grinsen nur, Grimassen machen

und kennst kein herzensfrohes Lachen.

Ja, über deine bösen Lippen

kam nie ein andächtiges Bitten.

Auch wird dir nie aus deinem Herzen

erfließen je ein fröhlich Scherzen.

Du siehst, man kann dich leicht durchschaun

mit reinem Herz’ und Gottvertraun.

 

Fuchs flieht schnell.

 

Schaut, fort ist er, der Lügenknecht,

die Worte war’n ihm gar nicht recht.

Man sieht, es weicht das Tier der Lüge

vor reiner Wahrheit und vor Liebe.

 

Hase

 

Und nun ist unser Tierspiel aus,

was reimt sich darauf? Nun? Applaus!

 

ENDE


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