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 Der Spatz
                      

Vogel des Jahres 2002

                                                                               

                                                                                                                                   Verfasst 2001 
 

Es soll Kinder geben, vor allem solche, die in den Städten leben, die ihn nicht kennen, die ihn noch nie gesehen oder beobachtet haben, denen auch das lautes Zetern und muntere Tschilpen des grau-braun gefärbten frechen Kerls, des Spatzen, unbekannt ist. Es flattern in den Stadtzentren dafür umso häufiger Dutzende von Tauben herum und warten auf Futterkrümel, z.B. neben Bratwurst- und Pommesbuden. Doch der Haussperling, von dem hier die Rede ist und der wissenschaftlich „Passer domesticus“ heißt, ist dafür umso seltener geworden.
Spatzen gelten vielfach als schmucklos und bieder, sie seien ausgesprochen unansehnlich, heißt es oft, und was da an Tönen aus ihrer Kehle dringt, trägt ebenfalls nicht dazu bei, sie zu einem begnadeten Singvogel zu erklären. Dabei schützt sie ihr grau-braunes Gefieder als gute Tarnung auf Sandwegen, Plätzen, Feldern oder im Gebüsch vor ihren vielen Feinden. Das Männchen ist gegenüber dem Weials   bchen und den Jungen kontrastreicher gefärbt und hat einen grauen Oberkopf, einen großen schwarzen Kehllatz und eine hellgraue Unterseite. Spatzen sind sehr gesellig treten gerne in Gruppen auf, wobei sie unüberhörbar herumlärmen, zetern und tschilpen und offenbar viel Vergnügen an ihrem munteren Treiben haben. 
 
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Der Kleiber


Vogel des Jahres 2006

                                                                                    

                                                                 verfasst 2005


Zum Vogel des Jahres 2006 haben der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Naturschutz, NABU-Partner in Bayern, den Kleiber gekürt. Gegenüber dem recht großen Vogel Uhu, Vogel des Jahres 2005, ist der Kleiber, „die Stimme unserer Buchen- und Eichenwälder“, ein eher kleiner, zierlicher Singvogel. Er ist Europas einziger Vogel, der Bäume kopfüber hinunter klettern kann. Der Kleiber ist in unserem Heimatland Deutschland und in Europa weit verbreitet. Die Wahl dieses - noch - nicht bedrohten Vogels erfolgte, so NABU-Vizepräsident Helmut Opitz, um auf die Notwendigkeit des besonderen Schutzes unserer Eichen- und Buchenwälder, ein wichtiger Lebensraum auch dieses Vogels sowie für Spechte, Meisen, Greifvögel und zahlreiche andere Vögel und Tiere, aufmerksam zu machen

    Der Kleiber (Sitta europaea) ist etwa 12 - 15 Zentimeter groß, auffällig ist sein verhältnismäßig langer Kopf sowie die kompakte Gestalt. Er hat ein blaugraues Obergefieder und einen schwarzen Augenstreif, der von den Schultern bis zum langen spitzen Schnabel reicht, die Unterseite ist hell bis rostbeige. Die Männchen lassen sich von den Weibchen an den dunkel-rostbeigen Flanken unterscheiden. Das Kleiber-Männchen kann man bereits von Ende Dezember bis ins Frühjahr mit lauten Pfeifstrophen hören, die weit reichen, es ist ein eindringlicher „Wi-wi-wi“-Ruf. Bei diesem Vogel singt ausschließlich das Männchen. Während des Brutgeschäftes bleibt es still, erst nach dem Ausfliegen der Jungvögel beginnt der Gesang erneut. Der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann führte zur Wahl des Kleiber aus: „Mindestens acht Prozent der europäischen Kleiberpopulation lebt in Deutschland. Damit hat Deutschland eine zentrale Verantwortung für diese Art und ihren Lebensraum mit höhlenreichen Altholzbeständen und strukturreichen, lichten Laub-, Laubmisch- und Nadelwäldern. Diese sind gleichzeitig ein Wasserspeicher und nehmen sehr viel Kohlendioxid aus der Luft auf. Eine sorgsame Behandlung des Kleiberlebensraums ist damit auch ein gesellschaftlicher Beitrag zum Hochwasser- und Klimaschutz.“ In den Alpengebieten findet man den Kleiber bis in Höhen von 2000 bis 2400 Metern, hier lebt er im Winter insbesondere von den Nüßchen der Zirbelkiefer und Arve. Er kommt in dieser Jahreszeit auch gerne zu den Futterhäusern und Futternetzen von Vogelfreunden, wo er sich gerne vor allem die Nüsse herauspickt. Der Kleiber ist auf ältere Bäume angewiesen, in deren natürlichen oder von Spechten hergestellten Höhlen er nisten kann. Eine nachhaltige Forstwirtschaft, die insbesondere auch ältere Bäume stehen läßt, ist für den Kleiber der beste Schutz. Wichtig für diesen Vogel sind Bäume mit grobborkiger Rinde, wie alte Eichen, in deren tiefen Furchen er allerlei verborgene und schutzsuchende Insekten findet. Dort hinein versteckt er auch gerne Samen und Nüsse, die er nicht gerade als Nahrung benötigt, mit gezielten Schnabelhieben keilt er sie fest in die Rindenspalten. Sicher findet er sie später wieder. Der Kleiber läuft an Bäumen sowohl auf- wie auch abwärts, dann allerdings kopfüber. Der Weg nach unten erfolgt nicht gradlinig, sondern immer leicht seitwärts. Beim Aufwärtslaufen stützt er sich nicht wie der Specht mit seinem Schwanz am Baum ab, der ist viel zu kurz, er krallt sich mit seinen sehr stabilen Zehen fest.

    Den Namen ‚Kleiber’ hat der Vogel durch seine besondere Tätigkeit erhalten, den oftmals für ihn zu großen Eingang seiner Bruthöhle mit Hilfe von Lehmkügelchen zu verkleinern, in dem er ihn verklebt, „Kleibern“ im Sprachgebrauch. Hat er sich für die viel zu große Höhle eines Waldkauzes entschieden, muß er bis zu eineinhalb Kilo Material heranschaffen, um das große Loch auf sein eigenes Maß zu verkleinern; man hat bei dieser Tätigkeit mehr als 1000 Flüge gezählt. Kleiber leben von verschiedenen Insekten und Spinnen, aber auch Samen werden nicht verschmäht. Die Brut dagegen wird hauptsächlich mit nahrhaften Raupen gefüttert, deren Bestand auf diese Weise dezimiert wird. Im Winter geht der Kleiber auf Spinnenjagd, die in Rindenritzen gesucht werden, seine Hauptnahrung besteht in dieser Jahreszeit allerdings aus Baumsamen wie Bucheckern und Haselnüssen. Er kann sie mit seinem kräftigen Schnabel geschickt öffnen, manchmal glaubt der Waldbesucher, er höre einen Specht in der Nähe klopfen. Neben insbesondere strukturierten Wäldern mit altem Baumbestand lebt der Kleiber auch in Feldgehölzen, Baumhecken, Parkanlagen und Alleen sowie in großen baumbestandenen Gärten. Die Bruthöhlen sollen sich möglichst in großer Höhe befinden, ab elf Meter über dem Boden. Bereits im März beginnt das Kleiberpärchen in der Regel mit dem Nestbau und damit früher als zum Beispiel die meisten Meisenarten. Als „vorsorgende gute“ Eltern inspiziert das Kleiberpärchen schon im Spätherbst potentielle Bruthöhlen, die dann im Februar gesäubert werden. Der Kleiber hat es mit dem Brutgeschäft sehr eilig, es beginnt in den tieferen Lagen Mitteleuropas im April. Das Weibchen, das in der Regel das Nest alleine baut, legt sechs bis sieben Eier. Nach intensiver Fütterung beider Vogeleltern fliegen die Jungvögel bereits Anfang Juni aus. Nur selten werden Zweitbruten beobachtet. Die ausgeflogenen Jungvögel siedeln sich vielfach im weiteren Umkreis des Elternpaares an. Die meisten Kleiberpaare bleiben ganzjährig in Mitteleuropa, nur sehr wenige dieser Vögel zieht es während der Winterzeit nach Süden in wärmere Gebiete.

    Der Bestand des Kleibers in Deutschland wird zwischen 600.000 und 1,4 Millionen Brutpaare geschätzt, somit steht diese Art bisher nicht auf der „Roten Liste der gefährdeten Tiere“. Allerdings droht seinem Lebensraum, dem Wald, Gefahr, insbesondere durch ökonomische Zwänge der Forstwirtschaft, die Geld verdienen will oder muß. Nahrungsmangel kann den Bestand dieses Vogels allerdings im Winter mehr oder weniger stark reduzieren, tragen die Buchen hingegen besonders viele Bucheckern, überleben sehr viel mehr Vögel den strengen Winter.  

    Der besondere Schutz und die Pflege der mitteleuropäischen Eichen- und Rotbuchenwälder ist gleichzeitig auch der wichtigste Schutz des Kleibers. Es muß mit Nachdruck dafür gesorgt werden, daß dieser Lebensraum erhalten bleibt. Eine nachhaltige Forstwirtschaft, wie sie mehr und mehr durchgeführt wird, ist die beste Voraussetzung. Während Feuchtgebiete heute in der Regel unter Naturschutz stehen, ist das bei Waldgebieten noch  selten der Fall ist. Das sollte sich rasch ändern, das muß sich ändern, so die Forderung von NABU und LBV.


 

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Der Kuckuck

 Vogel des Jahres 2008
 
 

                                                              verfasst 2007

 Sein aus zahlreichen Kinderliedern und musikalischen Werken großer Komponisten wohlbekannter Lockruf  >Kuckuck<  ist heute immer seltener in unserer Landschaft zu hören. Die Menschen, die seinen Lebensraum nachhaltig verändert haben, sorgten dafür, dass der Kuckuck in seinem Bestand inzwischen stark gefährdet ist, das trifft auch für zahlreiche andere Tiere bzw. Tier- und Pflanzenarten zu. Betroffen von derartigen gravierenden landschaftlichen Veränderungen ist insbesondere auch einer seiner wichtigsten Wirtsvögel, der Teichrohrsänger.

Brutparasitismus

 
Der Kuckuck legt seine Eier, etwa 10 bis 20 Stück pro Saison, stets in das Nest fremder Vögel, dazu gehören neben dem Teichrohrsänger u.a. die Bachstelze, das Rotkehlchen, der Neuntöter, der Wiesenpieper, der Zaunkönig und der Hausrotschwanz, und lässt sie dort von den Gasteltern ausbrüten. Man nennt das „Brutparasitismus“, ein in der europäischen Vogelwelt einmaliger Vorgang. Für den Kuckuck hat das den großen „Vorteil“, dass er selbst kein Nest bauen und keine Jungen mühsam aufziehen muss. Nachdem immer mehr Wiesen, Moore, Feucht- und auch Auengebiete trockengelegt wurden, hat der Teich-rohrsänger, ein vom Kuckuck bevorzugter Wirtsvogel für seine Eier, kaum noch Überlebenschancen, so dass der Kuckuck, der stets die selbe Vogelart als Wirtseltern benutzt, in größte Bedrängnis kommt. Daher drängen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV), die zusammen jedes Jahr den „Vogel des Jahres“ küren, schon seit langem darauf, dass verstärkt wieder neue Nass- und Feuchtgebiete eingerichtet und trockengelegte Flussauen und begradigte Flussschleifen renaturiert werden. Dadurch würde nicht nur dem Teichrohrsänger und damit auch dem Kuckuck, sondern sehr vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten ein Über- und Weiterleben ermöglicht werden. Es müsse nunmehr verstärkt mit Nachdruck verhindert werden, dass immer mehr Pflanzen- und Tierarten unwiederbringlich aussterben.

    
Der Kuckuck, der den lateinischen Namen Cuculus canorus trägt - gehört zu den Vögeln, die viele Menschen, insbesondere aber die Kinder ins Herz geschlossen haben. Wer zählt nicht insgeheim die Anzahl seiner Rufe, um damit herauszubekommen, wie viele Jahre er noch zu leben hat? Ein charmanter Brauch, der seit Jahrhunderten gepflegt wird. In vielen Kinderliedern wird er besungen und auch in Gedichten und Geschichten beschrieben. Manch großer Komponist räumte in seinen Werken dem Kuckuck bzw. seinem Lockruf einen „Ehrenplatz“ ein, so Camille-Saint-Saens in seinem berühmten Werk „Karneval der Tiere“ oder Wolfgang Amadeus Mozart und sein Vater Leopold in ihrer „Kindersinfonie“. Seltsamerweise klebt der Gerichtsvollzieher lt. Volksmund einen „Kuckuck“ auf Wertgegenstände, die er pfänden muss, wenn ein Schuldner seine Schulden nicht bezahlt. Berühmt in aller Welt und nach wie vor ein ausgesprochener Exportschlager sind die Schwarzwälder Kuckucksuhren, die aber wahrheitsgemäß eigentlich aus Sachsen stammen; zuverlässig tönt stündlich der Kuckucksruf und der Kuckuck zeigt an, welche Stunde es geschlagen hat. Es soll auch Menschen geben, die gerne verträumt und selig im „Wolkenkuckucksheim“ leben.

    Der Kuckuck gehört zu den Langstreckenziehern, die während der kalten Jahreszeit bevorzugt in Gebieten südlich des Äquators überwintern. Er muss Jahr für Jahr einen mehrere tausend Kilometer langen Weg bewältigen, um von Europa bis weit in den Süden Afrikas zu fliegen, eine gewaltige Leistung! Er ist auf seinem Herbstweg von Nord nach Süd und im Frühjahr zurück von Süd nach Nord unterwegs zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Als Insektenfresser ist er deshalb auf reichlich lebendige Kraftnahrung angewiesen. Er bevorzugt Heuschrecken, Schmetterlingsraupen, auch behaarte, Käfer und Libellen. Da auf seinem Wanderweg zahlreiche Landschaften, Rast- und Durchzugsgebiete nach wie vor stark mit Pestiziden und Herbiziden verseucht werden, leider auch in europäischen Ländern, müssen er und viele andere insektenfressenden Vögel, die durch diese Gifte stark geschwächt werden oder erkranken, vielfach sterben. Auch unter der gegenwärtigen Klimaveränderung hat insbesondere der Kuckuck zu leiden. So trifft einer seiner bevorzugten Brutwirte, der Teichrohrsänger, immer zeitiger im Frühjahr bei uns ein und brütet entsprechend früher. Der Kuckuck, der sich dieser Veränderung aber noch nicht angeschlossen oder auch einen zu weiten Weg zu bewältigen hat, bekommt daher große Probleme, seine Eier noch in fremde Nester zu legen und ausbrüten zu lassen. Hier gibt es oft schon ausgeschlüpften Nachwuchs, wenn er eintrifft, so dass sein Trick bzw. verspätet gelegtes Ei auffällt und nicht mehr geduldet wird. In der Regel schlüpft das Kuckucksjunge in einem Nest zuerst und gibt erst dann Ruhe, bis es alle Eier oder die bereits geschlüpften anderen Jungen mit einer erstaunlichen Kraftanstrengung über den Nestrand in die Tiefe gestürzt hat. Denn nunmehr füttern die Fremdeltern nur noch ihn. Und er hat einen gewaltigen Appetit. Schon bald ist er sehr viel größer als „Vater“ und „Mutter“, und beide Eltern bemühen sich unermüdlich, „ihr“ Junges mit dem riesigen weit geöffneten Schnabel satt zu bekommen. Ausgewachsen hat der Kuckuck eine Körpergröße von etwa 34 Zentimetern und es wirkt benahe tragisch-komisch, wenn er, der „Riese“, neben seinen sehr viel kleineren Wirtseltern, z.B. einem Zaunkönigspärchen sitzt und gefüttert werden will. Er ist ein recht scheuer Vogel, der die Nähe des Menschen meidet. So kann man, wenn man Glück hat, ihn zwar hier und dort aus der Ferne ab Mitte/Ende April hören, doch es ist schwierig, ihn auch zu Gesicht zu bekommen.

     Das Gefieder von Männchen und Weibchen ist unterschiedlich gefärbt. Das Federkleid des Männchens ist fast durchgängig schiefergrau-braun, es hat eine quer gebänderte Unterseite, die an einen Sperber erinnert. Das Gefieder des Weibchens ist leicht rötlich-rostbraun gefärbt. Die Schätzungen der Brutpaare des Kuckucks in Deutschland gehen weit auseinander, weil eine genaue Zählung des scheuen Vogels mehr als schwierig ist. Sie reichen von 50.000 bis 100.000 Paare. Eindeutig ist, dass seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Bestand immer weiter zurückgeht. Allein während der letzten zehn Jahre wurde bei uns in Deutschland ein Schwund von schätzungsweise 30 Prozent registriert, in England sind es sogar um die 60 Prozent. Besonders vom Rückgang der Kuckucksbrutpaare betroffen sind die Bundesländer Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Saarland. Die größten Chancen, den Kuckuck anzutreffen und zu hören findet man im Spreewald und in den bayerischen Voralpen. Der allgemein anhaltende Bestandsrückgang wird aber auch aus allen west- und mitteleuropäischen Ländern gemeldet. Hier schätzt man den Bestand der Brutpaare insgesamt auf ca. 4 bis 8,6 Millionen Paare. Nur Osteuropa mit seinen zum großen Teil noch alten intakten Kultur- und Feuchtlandschaften meldet weiterhin stabile Bestände. Bis auf Island und dem äußersten Norden Russlands findet man den Kuckuck über ganz Europa verbreitet. Er ist auch heimisch in einer Reihe von Ländern in Asien und in Nordafrika.

    Mit der Wahl des Kuckuck zum Vogel des Jahres wollen der NABU und der LBV u.a. erreichen, dass der Lebensraum für diesen Vogel und seinen Wirtsvögeln nicht nur erhalten bleibt, sondern dass wieder zusätzlicher Lebensraum für sie neu geschaffen wird. Dazu gehören z.B. breite Schilfgürtel um bzw. an Gewässern wie Seen, Teichen, Bächen und Flüssen. Alte seit langem trockengelegte Fluss-Auen sollen wieder überschwemmt werden, sie sind ein idealer Lebensraum für zahlreiche Spezialisten in der Tier- und Pflanzenwelt und außerdem ein idealer natürlicher Schutz gegen plötzliche Überschwemmungen bei starken lang anhaltenden Niederschlägen, die aufgrund von Klimaveränderungen immer häufiger stattfinden. Es müssen ferner verstärkt wieder Hecken und möglichst viele Bäume (Wälder) in der bereits stark ausgeräumten „nackten“ Landschaft angepflanzt werden, d.h. es muss eine möglichst naturnahe Kulturlandschaft entstehen, wie es sie in früherer Zeit vielfach gab, in der sich dann zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wieder ansiedeln und leben können. Nur so kann einem allgemeinen Artensterben Einhalt geboten und in diesem speziellen Fall dem Kuckuck geholfen werden, bei uns zu weiterhin zu leben und zu überleben, sich zu vermehren und den Natur- und Vogelfreunden durch die Rufe des Männchens, denn nur er tönt mit >Kuckuck<, Freude zu bereiten.

     Bei der Auslobung des Vogels des Jahres 2008 sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz vor der Presse in Berlin, der Kuckuck stehe besonders für artenreiche und vielfältige Lebensräume. Wo sich Landschaft durch die Schaffung von immer mehr großflächigen Monokulturen, den Bau von Freizeitanlagen, Straßen und Plätzen verändere oder gar verschwinde, fehle ein solcher Naturlebensraum den Vögeln und vielen anderen Tieren und Pflanzen. Er beklagte, wie auch wiederholt schon in den vorangegangenen Jahren, die immer noch ausgebrachten großer Mengen von Pestiziden und Herbiziden, in Deutschland und auch in den europäischen Nachbarstaaten, wodurch den durchziehenden Vögeln und eben auch dem Kuckuck als Insektenfresser zunehmend die notwendige giftfreie Nahrung fehle. Sie überlebten solch belastete Nahrung vielfach nicht. Hinzu käme, dass das Grundwasser durch diese chemische Keule vielfach stark belastet werde mit lebensbedrohenden Wirkungen für die Bewohner dieser Gewässer. Naturfreunde und Konsumenten insbesondere von biologisch angebauten chemie- und pestizidfreien Nahrungsmitteln können nur wünschen und hoffen, dass der eindringliche Ruf dieser Organisationen und ihre nicht zu überhörenden Warnungen allenthalben gehört und möglichst befolgt werden und nicht ungehört verhallten.

 

 

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Der Gartenrotschwanz

 

 ist Vogel des Jahres 2011

 

 

 

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) haben den Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoeni-curus) zum „Vogel des Jahres 2011“ gekürt. Der früher weit verbreitete und häufig auch bei uns in Deutschland vorkommende Singvogel mit seinem namensgebenden ziegelroten Schwanz ist inzwischen in vielen Regionen bereits selten geworden. Besonders im Westen Deutschlands ist er aus zahlreichen Dörfern und Kleinstädten nahezu gänzlich verschwunden, denn immer weniger Gärten genügen heute seinen Ansprüchen.

„Im Jahr des Gartenrotschwanzes wollen wir auf die besondere Gefährdung dieses farbenprächtigen Vogels aufmerksam machen und zeigen, dass oftmals schon mit einfachen Mitteln für ihn neue Lebensräume wie z.B. Streuobstwiesen geschaffen werden können“, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz bei der Vorstellung vor der Presse. Gartenrotschwänze brauchen Nisthöhlen, wie sie vor allem in alten Obstbäumen zu finden sind. Streuobstwiesen zählen daher zu den typischen Lebensräumen. Mit ihren hochstämmigen Obstbäumen, die ein hohes Alter erreichen können, bieten sie sowohl geeignete Brutplätze als auch die notwendigen Sitzwarten, von denen die Vögel nach Insekten jagen.

„Die Bestände des Gartenrotschwanzes sind im selben Maße zurückgegangen, wie die früher noch zahlreich vorhandenen Streuobstgürtel um unsere Ortschaften, die den Neubaugebieten und eintönigen Obstplantagen immer mehr weichen mussten“, erläuterte ergänzend der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann.

Es gibt in Deutschland nach Schätzungen der beiden Verbände höchstens noch 300.000 Hektar Streuobstwiesen. Damit nicht noch mehr verloren gehen, müssten die Betreiber solcher Flächen faire Preise für ihr (in der Regel ungespritztes) Obst erhalten. „Die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen muss sich wieder lohnen“, forderte Opitz. Der NABU hat 1988 das „Streuobst-Qualitätszeichen“ ins Leben gerufen. Es garantiert den Erzeugern höhere Preise und den Verbrauchern hochwertige Streuobstprodukte.

Neben Streuobstwiesen gewinnen strukturreiche Kleingartenanlagen mit altem Baumbestand zunehmend an Bedeutung für den Vogel. Hier findet der Gartenrotschwanz oftmals letzte Rückzugsräume. Zum Schutz des schlanken, etwa 14 Zentimeter großen Singvogels, fordern nunmehr NABU und LBV auch ein Umdenken bei der Gestaltung von (Privat)-Gärten und Parkanlagen, denn der Gartenrotschwanz braucht besonders abwechslungsreiche Landschaften. Auf sterile ständig kurzgeschnittene Rasenflächen, fremdländische Gehölze und den Einsatz von (giftigen) Pflanzenschutzmitteln müsse zugunsten von natürlicher Vielfalt verzichtet werden. In passender Umgebung kann dem Gartenrotschwanz auch mit speziellen Nistkästen geholfen werden. Diese Maßnahmen helfen außerdem auch zahlreichen anderen Tieren im Überlebenskampf. 

Bestandssituation - Gefahren drohen auch im Ausland

Die Bestände des Gartenrotschwanzes sind trotz vereinzelter regionaler Erholungen spätestens seit Beginn der 1980er Jahre stark rückläufig. Als Hauptursache dafür gilt die großflächige Lebensraumzerstörung in den Brutgebieten. Der Bestand des Gartenrotschwanzes in Deutschland wird auf nur noch 110.000 bis 160.000 Brutpaare geschätzt. Noch vor 30 Jahren gab es gut drei- bis viermal so viele. Als ausgesprochener Insektenfresser lebt der Gartenrotschwanz nur im Sommerhalbjahr bei uns.

Den Winter verbringt er hingegen, wie viele andere Zugvögel ebenfalls, vorzugsweise in den afrikanischen Savannen südlich der Saharawüste. In der Regel geht hier mit dem Eintreffen der ersten Gartenrotschwänze  die Regenzeit zu Ende. Das ist ein günstiger Zeitpunkt der Ankunft, denn nunmehr erwartet die Vögel ein reich gedeckter Tisch mit Insekten. So können sie nach der kräftezehrenden Zugstrecke wieder aus dem Vollen schöpfen. Die locker mit Bäumen bestandene Savanne ist rein äußerlich den europäischen Brutgebieten sehr ähnlich, besonders den vorzugsweise besiedelten Streuobstwiesen. Hier wie dort können die Vögel von Sitzwarten aus ideal nach Nahrung suchen.

Entlang seiner Zugwege gen Süden ist der Vogel jedoch zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Großflächige Monokulturen verdrängen hier mehr und mehr die natürliche Baumsavanne mit einem immer geringeren Nahrungsangebot, und zahlreiche der Vögel werden darüber hinaus immer noch Opfer der in manchen Ländern nach wie vor üblichen allerdings verbotenen Singvogeljagd. Weitere Gründe des Bestandrückgangs sind vor allem tiefgreifende landwirtschaftliche Veränderungen in den afrikanischen Überwinterungsgebieten, wie verstärkter Pestizid- bzw. Insektizideinsatz oder die folgenschwere ständige Ausdehnung der Sahel-Zone. Langfristig könnten allerdings die Folgen des Klimawandels noch schwerwiegender werden. Immer häufiger auftretende Dürreperioden im Mittelmeerraum und in der Sahelzone bewirken ein unaufhaltsames Ausdehnen der Wüstengebiete, die von den Vögeln kaum noch zu überwinden sind. Anfang März folgen die Vögel ihrer inneren Uhr und treten die Rückreise nach Europa an. Je nach Witterung und der unterwegs zur Verfügung stehenden Nahrung kehren sie im April, spätestens jedoch Anfang Mai in ihre angestammten Brutgebiete zurück. 

Aussehen

Die roten Schwanzfedern sind - wie für alle Rotschwanzarten - auch für den Gartenrotschwanz ein typisches Merkmal, sie sind gleich für eine ganze Gattung namensgebend. Oft sieht man ihn auf einer Ansitzwarte auffällig mit seinem Schwanz zittern. Das Männchen ist auffallend kontrastreich gefärbt: Gesichtsfeld und Kehle sind schwarz, die Stirn und ein nach hinten reichender Überaugenstreif hingegen ist reinweiß, die Brustpartie ist lebhaft rostrot gefärbt. Oberkopf, Nacken und Rücken sind grau. Besonders markant ist der ziegelrote Schwanz. Das Weibchen trägt unscheinbarere Farben. Die Oberseite ist bräunlich und geht fließend in die rostroten Oberschwanzdecken über, der Schwanz ist wie beim Männchen rostrot. Die Unterseite ist heller beige mit einer orangefarben überhauchten Brust, die sich deutlich von dunkleren Kinn und den Halsseiten absetzt. 

Stimme  

Beim Gartenrotschwanz singen nur die Männchen. Ihr unverwechselbarer Reviergesang klingt etwas schwermütig und ist schon im frühesten Morgengrauen zu hören. Wer also das Glück hat, einen Gartenrotschwanz als Nachbarn zu haben, kann sich an seinem zeitigen, angenehmen Weckruf erfreuen. Die Einleitung des Gesangs ist wenig variabel und beginnt mit einem „hüit“, dann folgt eine zwei bis drei Sekunden dauernde Strophe mit verschiedenen, zunächst tieferen Tönen. Sie ist schwer zu beschreiben, zumal der Gesang vielfach variiert. Dennoch ist er unverwechselbar, sobald einem die Stimme vertraut ist. Die Lock- und Erregungsrufe sind ein weich pfeifendes, etwas ansteigendes „hüit“, ähnlich denen des Fitis. Ihnen folgt ein schnalzendes „tick-tick-tick“. Nach der Paarung nehmen Strophenlänge und tägliche Gesangsaktivität ab. Mit dem Ausfliegen der Jungen flammt der Gesang wieder auf, endet aber in der Regel in der ersten Julihälfte. Die Töne sind flötend melodisch und etwas in die Höhe gezogen, manchmal auch gebunden zweisilbig, also etwa hüit oder tü-li. Darauf folgt ein Teil aus kurzen, etwa zwei bis viermal wiederholten zum Teil kratzigeren und variationsreichen Silben. Der Lockruf ähnelt dem des Hausrotschwanzes, ist aber flötender und somit dem des Fitis ähnlich. 

Fortpflanzung

Das Nest wird ab Ende April in Baumhöhlen, Fels- oder Mauerlöchern, Mauersimsen, Nistkästen mit größeren Einfluglöchern und manchmal in alten Schwalbennestern eingerichtet. Dabei befindet sich die Höhle in zwei bis fünf Metern Höhe. Es ist ausschließlich das Weibchen, dass die ihr zusagende Höhle wählt. Ihr Partner muss ihr dazu immer mehrere zur Auswahl anbieten. Dort baut sie ein lockeres Nest, in das  Anfang bis Mitte Mai sechs bis sieben Eier gelegt werden, die sie 13 bis 14 Tage lang bebrütet, bis die Jungen schlüpfen. Schon nach 12 bis 14 Tagen fliegen die Jungvögel aus und werden noch etwa eine Woche von den Eltern gefüttert. Danach sind sie dann auf sich selbst gestellt. Die Eltern widmen sich womöglich schon der nächsten Brut. Zumindest im Süden ihres hier wärmeren Verbreitungsgebietes sind bei Gartenrotschwänzen zwei Jahresbruten üblich, im kühleren Norden reicht die Zeit der Fortpflanzung dagegen selten für weiteren Nachwuchs. Das erste Lebensjahr überleben nur etwa 20 Prozent der Jungvögeln. Danach haben Gartenrotschwänze gute Chancen, drei bis fünf Jahre alt zu werden. In Gefangenschaft wurde ein Höchstalter von 9,5 Jahren beobachtet. 

Die Nahrung

Die Nahrung des Gartenrotschwanzes besteht hauptsächlich aus Insekten und Spinnen. Einen großen Anteil machen Haut- und Zweiflügler sowie Käfer aus. Bei den Hautflüglern dominieren Ameisen, Schlupf- und Blattwespen. Wehrhafte Insekten wie Bienen und Wespen werden weitgehend gemieden. Schmetterlinge spielen vor allem als Nestlingsnahrung eine wichtige Rolle. 

Der Lebensraum

Der Gartenrotschwanz ist als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter stark an alten Baumbestand gebunden und besiedelt primär lichte und trockene Laubwälder, Lichtungen oder Waldränder sowie Streuobstwiesen mit alten Beständen. Immer häufiger ist der eher scheue Vogel auch in Siedlungsnähe anzutreffen, so in Parkanlagen mit lockerem Baumbestand, stark begrünten Villenvierteln oder Gartenstädten, Dorfrändern und Obstgärten. 

Lebensraum & Verbreitung

Mehr als die Hälfte des Brutareals des Gartenrotschwanzes liegt in Europa. Es erstreckt sich von Portugal über Spanien bis hoch in den Norden Norwegens und ostwärts über die Türkei bis in den Kaukasus hinaus hin zum Baikalsee. In Mitteleuropa beherbergen Deutschland und Frankreich die meisten Gartenrotschwänze. Er zählt daher zu den Arten, für die wir in Deutschland eine besondere Verantwortung tragen. 

Hilfen für den Gartenrotschwanz  

Es ist höchste Zeit, so der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz, dass besondere Schutzmaßnahmen für den Gartenrotschwanz ergriffen werden. Es kann viel getan werden, um die Lage für diesen liebenswerten Vogel zu verbessern und seinen Bestand zu erhalten oder wieder zu vermehren. Das gilt insbesondere für solche Gebiete, in denen der Gartenrotschwanz heute noch brütet. Ein große Hilfe ist es, wenn man im eigenen Garten heimische Gehölze pflanzt, möglichst alte Bäume erhält, dazu Trockenmauern anlegt und - das ist besonders wichtig - auf (giftige) Insekten- und Pflanzengifte verzichtet. Auch ein - besser noch - mehrere Nistkästen (mit größeren Einflugslöchern) können zu einem Gartenrotschwanzheim werden. Ferner sollten Streuobstwiesen mit hochstämmigen Obstbäumen erhalten bleiben. Wer diese pflegt und im Bestand erhält oder sogar neue Streuobstwiesen anlegt, tut nicht nur Gutes für den Gartenrotschwanz, sondern auch für andere, bei uns bereits selten gewordene Arten, vom Siebenschläfer bis zum Wendehals.

                                                                                  Hans Harress

 

 

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Die Dohle

 

Vogel des Jahres 2012

 

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz, NABU-Partner in Bayern, haben die Dohle (Coloeus monedula) zum „Vogel des Jahres 2012“ gekürt. NABU-Vizepräsident Helmut Opitz führte in der Begründung vor der Presse aus: „Damit beleuchten wir eine der intelligentesten heimischen Vogelarten, die trotz ihrer Anpassungsfähigkeit immer weniger Nistmöglichkeiten findet.“ Der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann ergänzte: „Mit der Ernennung zum Vogel des Jahres wollen wir uns verstärkt für die geselligen Dohlen einsetzen, denn ihre Lebensräume werden immer mehr eingeengt“. Es sei dringend, die vielseitigen Stimmtalente besser zu schützen, denn Dohlen stehen bereits in mehreren Bundesländern auf der Roten Liste der gefährdeten Arten oder auf der Vorwarnliste.


Der gesellige Rabenvogel mit Köpfchen braucht einen besseren Schutz seiner Lebensräume

Die Dohle lebt gerne in Dörfern und Städten und sucht die Nähe der Menschen. Als Kulturfolger hatten sich die ursprünglichen Steppenbewohner in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet. Besonders gern nisten sie in Schornsteinen und Kirchtürmen. Weil jedoch immer mehr Brutnischen verschlossen werden, gerät die intelligente Vogelart in akute Wohnungsnot. Der NABU und sein bayerischer Partner, der Landesbund für Vogelschutz, möchten die Dohle nunmehr intensiv schützen und haben sie deshalb zum Vogel des Jahres 2012 gewählt. 

Brutplätze für die Dohle sind mittlerweile rar gesät

Hohe Gebäude boten ihnen bisher vorzüglichen Unterschlupf, Weiden, Wiesen und Felder einen reich gedeckten Tisch mit Würmern, Heuschrecken, Käfern, Schnecken und anderen Insekten. Für die Landwirtschaft waren sie immer gern gesehene nützliche Helfer bei der biologischen Schädlingsbekämpfung. Mensch und Dohle lebten jahrhundertelang einträchtig miteinander. „Doch nun versiegeln wir immer mehr Grünflächen und setzen für den großflächigen Anbau von Energiepflanzen - vor allem Mais und Raps - flächendeckend Pestizide und Herbizide ein. Damit verschwindet auch die Nahrungsgrundlage der Dohlen. Zugleich finden die Dohlen in unseren Städten und Dörfern immer weniger Nistmöglichkeiten“, erklärte NABU-Vizepräsident Opitz. So sei der Dohlenbestand in Deutschland auf geschätzte 100.000 Brutpaare bedrohlich tief gesunken. Größere Dichten erreiche die Art nur noch regional, etwa am Niederrhein. 

Immer mehr Brutnischen werden verschlossen

Die Dohle liebt es, in hohen Kirchtürmen zu nisten. Wegen ihrer Vorliebe für Kirchtürme nannte man sie früher auch „des Pastors schwarze Taube“, doch die Turmöffnungen vieler Gotteshäuser wurden inzwischen zur Abwehr der oftmals lästigen Taubenscharen vergittert. Mit dem Projekt „Lebensraum Kirchturm“ weisen NABU und LBV auf die Gefährdung von tierischen Kirchturmbewohnern hin und setzen sich für deren Schutz z.B. durch Wiederöffnung von Nischen in den Türmen ein. Seit 2007, als der Turmfalke Vogel des Jahres war, haben NABU und LBV bereits 500 Kirchengemeinden mit einer Plakette für ihr vorbildliches Engagement für die bedrohte Vogelwelt ausgezeichnet. Im Dohlen-Jahr 2012 sollen es noch mehr werden. Zum Rückgang des Dohlenbestandes tragen aber auch insbesondere die Gebäudesanierungen, z.B. durch Wärmeschutzmaßnahmen bei, die zwar wichtigen Energiesparzielen dienen, aber den Dohlen Brutplätze in Nischen, Mauerlöchern und Dachstühlen mehr und mehr versperren. 

Lebensräume erhalten und neue Nistplätze schaffen

Es gilt insbesondere, alte Lebensräume für die Dohle zu erhalten, aber auch neue hinzu zu gewinnen, nur so kann der Dohlen-Bestand auch weiterhin gesichert werden. So rufen NABU und LBV dazu auf, die „Wohnungsnot“ der schwarz gefiederten Vögel mit den hübschen silber-blauen Augen zu lindern. Dazu sollen vorhandene Lebensräume erhalten, aber vor allem neue geschaffen werden. Denn auch die Dohlen-Kolonien in alten Baumbeständen nehmen ab und zwar dort, wo Dohlen gerne die von Schwarzspechten gezimmerten Höhlen beziehen, erläuterte der LBV-Vorsitzende Sothmann. „So gilt es, naturnahe Altholzbestände und „Höhlenbäume“ besonders zu schützen und vor allem zu erhalten. Auch alte Parkbäume in Städten können diese Funktion erfüllen und dürfen nicht einer übervorsichtigen Verkehrssicherung oder Baumsanierungen zum Opfer fallen.“ Bei den noch verbliebenen Felsbrütern unter den Dohlen in den Gebirgen müssen Störungen durch Kletterer unbedingt vermieden werden, etwa indem solche Felsen während der Brutzeit strikt gesperrt werden. Und damit Schornsteine, die noch in Betrieb sind, nicht durch Nistmaterial verstopft werden, kann man vorbeugend geeignete Schutzgitter oder Abdeckungen anbringen und/oder den Vögeln andernorts alternative Brutplätze anbieten. Dazu eignen sich spezielle Dohlen-Nistkästen, die gerne angenommen werden und über den NABU und den LBV bezogen werden können.

Positive Imagekampagne für die Dohle

Der NABU und der LBV hoffen darüber hinaus durch ihre Aktion auf einen positiven Imagegewinn für den Vogel des Jahres 2012, denn diese kleinsten Vertreter der Rabenvögel sind natürlich weder „Unglücksboten“ oder „Pechvögel“, wie sie mancher Abergläubische bezeichnet. Vielmehr zeichnen sich Dohlen durch ihr hoch entwickeltes Familien- und freundschaftliches Gesellschaftsleben besonders aus und sie zeigen eine außerordentlich hohe Intelligenz. Schon der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz war äußerst fasziniert von den lernfähigen Dohlen mit ihrem so geselligen wie geordneten Kolonieleben. Dohlenpaare sind sich ihr Leben lang treu. Auch in der fürsorglichen Beziehung zu ihrem Nachwuchs sind sie durchaus keine Raben- sondern wahre Vorzeigeeltern. „So lassen sich viele schöne Geschichten über unseren Vogel des Jahres 2012 erzählen und wir hoffen, viele neue Freunde und Förderer für die Dohle zu gewinnen, um sie gemeinsam besser schützen zu können“, erläuterten die Vogelschutzexperten von NABU und LBV.

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Vögel des Jahres

·  2012 - Die Dohle

 

·  2011 - Der Gartenrotschwanz

·  2010 - Der Kormoran

·  2009 - Der Eisvogel

·  2008 - Der Kuckuck

2007 - Der Turmfalke

2006 - der Kleiber

2005 - der Uhu

2004 - der Zaunkönig

2003 - der Mauersegler

2002 - der Spatz

2001 - der Haubentaucher

2000 - der Rotmilan

                                                                                                   Hans Harress

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